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Die Raketenreise zum roten Planeten
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Die Raketenreise zum roten Planeten

7:15 Min4-8

Leo baut eine Rakete aus dem alten Schuppen im Garten. Dann fliegt er zum Mars — und findet dort etwas, das er nicht mitnehmen darf.

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Die Geschichte zum Lesen

Die Rakete stand im Garten.

Natürlich war sie nicht wirklich eine Rakete. Von außen sah sie aus wie Papas alter Wellblechschuppen. Aber von innen — von innen hatte Leo sie in vier Wochen umgebaut: Schalter aus alten Fernbedienungen, Bildschirme aus Pappkarton (auf denen er Sternenkarten gemalt hatte), einen Pilotensitz aus dem ausgedienten Sessel von Oma, und vorne ein rundes Bullauge aus Folie, das man von beiden Seiten durchschauen konnte.

Leo saß im Pilotenssitz und checkte die Instrumente.

Instrument 1: Sauerstoff. Grün. (Er hatte eine Zimmerpflanze mit hineingestellt.) Instrument 2: Treibstoff. Grün. (Imagination, unbegrenzt.) Instrument 3: Kurs. Roter Planet. 54,6 Millionen Kilometer.

Leo drückte auf den roten Knopf. Der rote Knopf machte nichts, außer ein Klicken. Aber das war genug.

„Countdown“, sagte Leo laut. „Zehn. Neun. Acht. Sieben. Sechs. Fünf. Vier. Drei. Zwei. Eins.“

Er hielt inne.

„Zündung.“

Die Rakete hob ab.

Das Weltall war sehr still.

Leo schaute durch das Bullauge. Draußen — in seiner Vorstellung, die das Weltall war — waren Sterne. Nicht die zehn oder zwanzig, die man von der Erde aus sah. Tausende. Zehntausende. Weiß und blau und ein paar rötliche, die weiter weg waren als er sich vorstellen konnte.

Die Erde war jetzt ein blauer Ball hinter ihm. Klein. Rund. Wie eine Murmel, die jemand hier oben verloren hatte.

Leo schwebte ein bisschen — er ließ sich aus dem Sessel gleiten und machte Schwerelosigkeit nach: langsame Bewegungen, die Arme leicht ausgestreckt, der Kopf nach vorne geneigt. So schwebten Astronauten. Er hatte das genau studiert.

Es war sehr ruhig hier.

Nicht gruselig-ruhig. Nicht einsam-ruhig. Sondern groß-ruhig. Die Art Stille, die man spürt, wenn man ganz weit oben ist und alles, was laut und hektisch ist, hinter einem bleibt.

Leo machte einen langsamen Kreis durch die Rakete. Vorbei an der Pflanze — der Sauerstoffquelle — vorbei an den Sternenkarten, vorbei an seinen Instrumenten.

Noch 54 Millionen Kilometer. Er hatte Zeit.

Der rote Planet war genau richtig rot.

Leo hatte das gewusst — er hatte Bilder gesehen, echte Bilder von der Marsroversonde, die NASA immer veröffentlichte — aber jetzt, als er durch das Bullauge schaute, sah es trotzdem anders aus als erwartet. Wärmer. Staubiger. Ein bisschen wie die Wüste, die er einmal in einem Film gesehen hatte, aber roter. Deutlich roter.

Er setzte die Rakete — sanft, sehr sanft — in einem flachen Tal ab.

Dann stand er auf. Er zog den Raumanzug an — das war ein alter Taucheranzug von Papa (von der Größe her falsch, aber die Idee stimmte) und ein Helm aus dem Motorradhelm aus dem Keller.

Er öffnete die Luke.

Der rote Staub war überall. Er wirbelte im Wind — einem sehr leichten, sehr kalten Wind, den Leo fast spüren konnte, wenn er sich konzentrierte.

Leo setzte den ersten Fuß auf den Boden.

Ein kleiner Schritt für Leo. Ein ziemlich großer Schritt für Leo.

Er schaute sich um. Der Planet war riesig und still. Keine Häuser, keine Bäume, keine Straßen. Nur roter Staub und Steine und ein Horizont, der seltsam nah schien.

Schön, dachte Leo. Wirklich schön.

Leo erkundete den roten Planeten.

Er sammelte Steine — kleine, interessante Steine, die er in die Taschen des Tauchanzugs steckte. Er machte Fotos mit seiner Kamera (Omas altes Ding, das Polaroids ausdruckte und einen Stein aus dem Foto machte, wenn man falsch belichtete). Er notierte alles in seinem Logbuch.

Logbuch, Sol 1: Angekommen auf dem Mars. Staub sehr rot. Steine: interessant. Atmosphäre: dünn, nicht atembar ohne Helm. Temperatur: kalt. Schönheitswert: sehr hoch.

Dann sah er etwas.

Unter einem großen Stein — einem Stein, der schief lehnte und etwas schützend dahinter ließ — war eine Pflanze. Winzig. Blass orange-grün, kaum zu erkennen. Aber eindeutig eine Pflanze.

Leo kniete sich hin. Er schaute sehr genau hin.

Die Pflanze existierte wirklich. Sie war nur einen Zentimeter groß. Aber sie war da.

Leo stand auf und atmete tief aus — was durch den Helm ein bisschen beschlag machte.

Er entschied: Er würde sie nicht anfassen. Nicht mitnehmen. Er würde den Stein so lassen, wie er war — schützend — und die Pflanze in seinem Logbuch festhalten.

Manche Dinge musste man einfach sein lassen, wie sie waren.

Die Rückreise zur Erde dauerte lange.

Leo saß im Pilotenssitz und schaute auf die Sterne, die langsam an der Folie vorbeigleiteten. Er war müde — die Art Müde, die man nach einem langen Tag ist, an dem sehr viel passiert ist.

In seiner Tasche war ein Stein vom Mars. Orange-rot, mit kleinen Kristallen drin, die im Licht der Instrumentenanzeigen funkelten. Er hielt ihn fest.

Die Erde kam näher. Der blaue Ball wurde größer — erst wie eine Murmel, dann wie ein Fußball, dann wie der ganze Horizont.

Leo fand es seltsam, dass die Erde so blau war. Von hier oben sah man das deutlich: Wasser. Überall Wasser. Der Planet war fast ganz blau.

Er landete die Rakete — sanft, sehr sanft — im Garten.

Dann stieg er aus, zog den Helm ab, und atmete echte Luft ein. Sie roch nach Gras und dem Abendessen, das Mama grade kochte.

Abenteurer kehren immer nach Hause zurück. Das war das Geheimnis. Die Abenteuer sind groß — aber das Zuhause macht sie bedeutsam.

Gute Nacht, Astronaut Leo. Der Mars wartet — und du weißt jetzt, wie er aussieht.

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