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Die Zeitmaschine des Großvaters
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Die Zeitmaschine des Großvaters

6:51 Min4-8

Ben findet in Opas alter Standuhr eine Zeitmaschine. Er reist in die 1950er — und trifft Opas besten Freund als Kind.

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Die Geschichte zum Lesen

Großvaters Uhr stand seit Jahren in der Ecke des Wohnzimmers.

Sie war groß — größer als Ben — aus dunklem Holz, mit einem goldenen Zifferblatt und einem Pendel, das hin und her schwang: tick, tack, tick, tack. Ben hatte sie immer gemocht. Aber er hatte nie gewusst, dass sie eine Maschine war.

Heute, als er allein in Großvaters Haus war und wartete, dass Opa von seinem Spaziergang zurückkam, öffnete Ben die kleine Tür an der Seite der Uhr — die Tür, die das Pendel und die Mechanik verdeckte — und sah: Hebel. Viele Hebel, und Schalter, und eine kleine Anzeige mit den Zahlen 0 bis 9999.

Und ein Zettel, auf dem stand: Nur für Mutige. Ziehe den roten Hebel für die Vergangenheit, den blauen für die Zukunft.

Ben betrachtete den roten Hebel.

Er war mutig. (Zumindest meistens.)

Er stellte die Zahlen auf dem Zifferblatt ein: 1-9-5-0. Fünfzig Jahre zurück. Nicht zu weit. Weit genug.

Er zog den roten Hebel.

Das Tick-Tack der Uhr wurde schneller. Und schneller. Und dann—

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Draußen war es anders.

Nicht komplett anders — das Haus von Opa war noch da, aber frischer, als hätte jemand es gerade gestrichen. Die Straße war enger. Die Autos waren kleiner und hatten runde Formen, wie Käfer aus Metall. Und die Kleider der Menschen — Ben schaute aus dem Fenster — sahen aus wie aus einem alten Film.

Es war 1950.

Ben öffnete vorsichtig die Haustür und trat heraus.

Die Luft roch anders. Nicht schlechter oder besser — anders. Mehr nach Holzfeuer und weniger nach Autos. Die Straße war ruhig; nur ein Fahrrad fuhr vorbei, von einem Jungen gesteuert, der ungefähr so alt war wie Ben.

Der Junge hielt an und schaute Ben an.

„Wer bist du?“, fragte der Junge.

„Ben“, sagte Ben.

Der Junge dachte einen Moment nach. „Ich bin Karl“, sagte er. „Willst du spielen?“

Ben schaute den Jungen an. Karl sah nicht aus wie jemand aus dem Bilderbuch-Vergangenheit. Er sah aus wie ein normaler Junge, der sein Fahrrad hatte und fragen wollte, ob jemand mitspielte.

„Ja“, sagte Ben.

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Sie spielten Fußball auf dem Feldweg hinter den Häusern.

Der Ball war aus Leder und schwer, nicht wie die Bälle, die Ben kannte. Und die Tore waren zwei Mäntel auf dem Boden. Aber die Grundregeln waren dieselben: Schieß den Ball rein. Verhindere, dass der andere ihn reinschießt.

Karl war gut. Vielleicht sogar besser als Ben. Er dribbelte mit kleinen, schnellen Schritten und war überraschend flink für einen Jungen in so schweren Schuhen.

Sie spielten lange. Irgendwann war der Schiedsstand unbekannt — sie hatten aufgehört zu zählen, weil es schöner war, einfach zu spielen als zu gewinnen.

Dann setzten sie sich ins Gras.

„Woher kommst du?“, fragte Karl. „Ich habe dich hier noch nie gesehen.“

Ben überlegte. „Aus der Zukunft“, sagte er.

Karl schaute ihn an. Dann nickte er ernst. „Wie ist es da?“

„Gut“, sagte Ben. „Die Fußball sind leichter. Und man kann Filme zu Hause schauen."

Karl dachte darüber nach. „Filme zu Hause“, sagte er langsam. „Das klingt schön. Aber das Gras ist genauso grün?““

„Ja“, sagte Ben. „Das Gras ist genauso grün.“

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Es wurde Zeit zurückzugehen.

Ben hatte es gespürt — nicht an einer Uhr, sondern an einem inneren Ziehen, das sagte: Bald. Nicht jetzt. Aber bald.

„Ich muss zurück“, sagte er zu Karl.

Karl nickte, als wäre das die vernünftigste Sache der Welt. „In die Zukunft?“

„Ja.“ Ben stand auf und klopfte das Gras von den Knien. „Danke für das Spiel.“

Karl streckte die Hand aus. Ben schüttelte sie — fest, wie man das macht.

„Sag der Zukunft, dass sie gut auf das Gras aufpassen soll“, sagte Karl.

Ben lachte. „Das sage ich.“

Er ging zurück in Opas Haus, öffnete die Tür an der Uhr, stellte die Zahlen zurück auf die aktuelle Jahr, und zog — diesmal den blauen Hebel?

Nein. Den roten nochmal, nur umgekehrt.

Das Tick-Tack der Uhr wurde wieder schnell. Dann normal.

Draußen vor dem Fenster war die Straße breit wieder. Die Autos rund und wuchtig. Ein Telefon klingelte irgendwo.

Ben stand in Opas Wohnzimmer und dachte: Karl muss jetzt sehr alt sein. Vielleicht schon tot. Und er hatte ihn heute als Kind getroffen.

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Als Opa von seinem Spaziergang zurückkam, saß Ben auf dem Sofa und schaute die Uhr an.

„Alles gut?“, fragte Opa.

Ben nickte. Dann sagte er: „Opa, kennt du jemanden namens Karl? Einen Jungen, der in den fünfziger Jahren hier in der Straße gewohnt hat?“

Opa blinzelte. Dann setzte er sich. Sein Gesicht machte dasselbe, was Opas Gesicht manchmal machte, wenn er an früher dachte: weicher, und irgendwie ferner.

„Karl Meier“, sagte Opa langsam. „Er war mein bester Freund, als ich sechs Jahre alt war. Wir haben auf dem Feldweg Fußball gespielt."

Ben schluckte. „Wie war er?“

„Gut im Dribbeln“, sagte Opa. „Und sehr klug. Er fragte immer die besten Fragen.“ Er hielt inne. „Woher weißt du von ihm?“

Ben schaute Opa an. Dann schaute er die Uhr an.

„Ich glaube, ich hab ihn heute getroffen“, sagte Ben leise.

Opa schaute ihn lange an. Dann nickte er — so wie kluge Menschen nicken, wenn sie entscheiden, dass etwas möglich ist, auch wenn es keinen Sinn macht.

Gute Nacht, Zeitreisender Ben. Das Gras ist immer noch genauso grün.

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