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Issa und das große Roboterrennen
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Issa und das große Roboterrennen

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Die Geschichte zum Lesen

Es war Papas Idee. Aber Issa machte sie zu seiner.

An einem Samstagnachmittag hielt Papa eine Zeitung hoch und sagte: „Da steht, nächsten Monat gibt es ein Roboterrennen auf dem Marktplatz. Kinder dürfen mitmachen, mit selbstgebauten Robotern."

Er ließ die Zeitung wieder sinken und schaute Issa an. „Was denkst du?"

Issa sagte drei Sekunden nichts. Drei Sekunden ist nicht viel, aber manchmal reicht das, damit ein Gedanke wächst.

Dann sagte er: „Wir bauen einen Roboter."

Nicht ich. Wir.

Weil das die beste Art war.

Sie fingen noch am selben Abend an, Pläne zu machen. Papa holte ein Blatt Papier und einen Bleistift. Issa holte alle seine Stifte – die bunten, nicht die normalen – und begann, auf sein eigenes Blatt zu zeichnen.

„Er muss Räder haben", sagte Issa. „Sonst kommt er nicht voran."

„Einverstanden", sagte Papa. „Was noch?"

„Lichter. Blaue und rote. Und er soll sich drehen können."

Papa hob die Augenbraue. „Das wird schwieriger."

„Schwieriger ist nicht unmöglich", sagte Issa.

Papa lächelte. Er sagte diesen Satz manchmal zu Issa, wenn die Hausaufgaben schwer waren. Schön, wenn man seine eigenen Worte zurückbekommt.

Sie nannten den Roboter MAX.

Nicht aus einem bestimmten Grund. Der Name fühlte sich einfach richtig an – kurz, stark, eindeutig. Wie ein Roboter, der etwas weiß.

Der Bau von Max dauerte drei Wochenenden.

Sie fingen mit einer alten Schuhschachtel an. Papa hatte Pappe von der Arbeit mitgebracht – steif und grau –, und daraus wurde der Körper. Issa schnitt, Papa klebe. Issa falzte, Papa hielt fest.

Für die Räder fanden sie vier alte CDs in einer Schublade – die Art, die man früher für Musik benutzt hatte. Papa bohrte in der Mitte Löcher, und mit einem Stöckchen durch die Mitte wurden sie zu echten, drehenden Rädern.

Für den Motor: Issa hatte von einem kaputten Spielzeugauto einen kleinen Motor gerettet – er hatte ihn seit Monaten in einer Schachtel aufgehoben, weil er nicht wusste wofür, aber weil man Motoren nicht wegwirft. Jetzt wusste er wofür.

Für die Lichter: Papa kaufte einen kleinen Beutel LED-Lämpchen. Blaue und rote, genau wie Issa es sich vorgestellt hatte.

Das Schwierigste war das Drehen. Issa wollte, dass Max sich um die eigene Achse drehen konnte. Papa kratzte sich am Kopf. Sie probierten verschiedene Lösungen aus. Drei funktionierten nicht. Eine fast. Und dann – beim letzten Versuch an einem Sonntagnachmittag – drehte Max sich.

Einmal, zweimal, dreimal – im Kreis, gleichmäßig, sicher.

Issa und Papa standen da und schauten zu.

„Er dreht sich", sagte Issa.

„Er dreht sich", bestätigte Papa.

Sie schüttelten sich die Hand, so wie Erwachsene das tun, wenn sie etwas Großes geschafft haben.

Max drehte sich weiter. Die LEDs blinkten – blau, rot, blau, rot. Die alten CDs spiegelten das Licht an die Decke.

Es sah aus wie ein kleines Roboterfest.

Am Renntag war der Marktplatz voller Menschen.

Zehn Roboter traten an. Issa hatte sie alle kurz angeschaut, als er ankam. Einige waren beeindruckend – eines aus glänzendem Aluminium, mit einem kleinen Lautsprecher, der piepste. Eines hatte vier Räder und einen Computerchip. Eines sah aus, als hätte es viel Geld und sehr viel Zeit gekostet.

Max sah dagegen aus wie eine Schuhschachtel mit CD-Rädern und bunten Lichtern.

Das war er nämlich auch.

Issa schaute kurz auf Max und dann auf die anderen Roboter. Er spürte etwas in seinem Bauch – nicht Angst, aber etwas in der Nähe. Ein Ziehen.

„Wir müssen nicht gewinnen", sagte Papa, der neben ihm stand.

„Das weiß ich", sagte Issa.

„Max ist trotzdem toll."

„Das weiß ich auch."

Die Jury – drei Erwachsene mit Klemmbrettern – gab das Zeichen. Zehn Hände legten zehn Roboter auf die Start-Markierung.

Drei. Zwei. Eins. Los.

Max fuhr.

Nicht schnell. Ehrlich gesagt fuhr Max ziemlich langsam. Die CD-Räder griffen auf dem Kopfsteinpflaster nicht perfekt, und der Motor summte mehr als er trieb. Zwei Roboter überholten ihn sofort. Dann drei. Dann noch zwei.

Issa rannte ein Stück neben Max her und feuerte ihn an: „Komm schon, Max!"

Max fuhr. Er war nicht schnell. Aber er fuhr.

Auf halbem Weg blieb Issa stehen.

Nicht weil er aufgab. Sondern weil er eine Idee hatte.

Max war zwar langsam, aber Max konnte sich drehen. Das hatten sie extra eingebaut. Und dreimal um die eigene Achse drehen – das konnte kein anderer Roboter hier.

Issa drückte den kleinen Knopf an Max' Seite – den Drehknopf.

Max stoppte. Drehte sich. Einmal, zweimal, dreimal. Und dabei blinkten die blauen und roten LEDs in einer Abfolge, die Issa und Papa am letzten Wochenende programmiert hatten: blau-rot-blau-rot-blau, dann alle zusammen.

Ein kleiner Regenbogen aus Licht drehte sich auf dem Marktplatz.

Einige Zuschauer stoppten. Kinder zeigten hin. Jemand rief: „Oh, schau mal!"

Max drehte sich weiter. Und während er sich drehte, warfen die alten CD-Räder das Sonnenlicht in kleine Lichtfunken, die über den Boden hüpften wie Konfetti.

Der schnellste Roboter gewann das Rennen. Er kam als Erster ins Ziel – glänzend, präzise, mit Computerchip.

Aber als die Jury die Preise vergab, riefen sie noch einen zweiten Namen auf: „Kreativster Roboter des Tages: MAX, erbaut von Issa und seinem Papa."

Issa lief nach vorne. Er bekam eine Urkunde – ein großes, goldenes Blatt Papier, auf dem stand, dass Max der kreativste Roboter des Tages war.

Er hielt die Urkunde hoch. Papa, der von hinten zuschaute, klatschte. Einige Leute klatschten mit.

Max stand auf dem Boden und blinkerte – blau, rot, blau – als würde auch er klatschen.

Auf dem Heimweg trug Issa Max unterm Arm und die Urkunde in der Hand.

Das Sonnenlicht wurde tiefer und goldener. Papa ging neben ihm, und sie sprachen nicht viel – nur ab und zu, wenn ein Gedanke zu groß wurde, um ihn zu behalten.

„Er hat nicht gewonnen", sagte Issa irgendwann.

„Nein", sagte Papa. „Er hat nicht gewonnen."

„Aber er hat sich gedreht."

„Ja", sagte Papa. „Das hat er."

Issa schaute auf Max. Die CD-Räder glänzten im Abendlicht. Die LEDs waren aus, die Batterie war leer. Aber Max sah trotzdem stolz aus – so, wie Dinge stolz aussehen können, wenn man weiß, was in ihnen steckt.

Er dachte: Der schnellste Roboter hatte den beste Chip. Der stärkste hatte das beste Material. Aber Max hatte etwas, das man nicht kaufen konnte: Max war einmalig.

Kein anderer Roboter auf der Welt sah so aus wie Max. CD-Räder, Schuhschachtel, blau-rote LEDs, ein geretteter Motor aus einem kaputten Spielzeugauto. Jedes Teil hatte eine Geschichte.

Und vielleicht war das das Geheimnis.

Nicht schneller sein. Nicht stärker sein. Sondern einfach sein, was man ist – und das so gut, dass andere es sehen.

Zuhause stellte Issa Max auf den Schreibtisch, neben das Fenster. Dort stand er seitdem.

Ab und zu, wenn Issa Hausaufgaben machte, schaute er kurz rüber.

Max blinkerte nicht – keine Batterie, keine Bewegung. Aber Issa sah ihn trotzdem.

Und das war genug.

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