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Issa und der Küchenroboter
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Issa und der Küchenroboter

9:33 MinFür alle
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Die Geschichte zum Lesen

Oma Fatimas Küche roch nach allem Guten der Welt.

Nach Vanille und Kardamom. Nach frisch gemahlenem Kaffee und heißer Butter. Nach dem leichten Rauch von Nüssen, die zu lange in der Pfanne geblieben waren – aber nur ein bisschen zu lange, genau genug, um den Geruch interessant zu machen.

Issa liebte Oma Fatimas Küche fast so sehr wie Oma Fatima selbst.

An diesem Samstagvormittag stand er auf einem kleinen Hocker neben der Arbeitsfläche und schaute zu, wie Oma den Teig für ihren berühmten Gewürzkuchen vorbereitete. Der Gewürzkuchen war Issas Lieblingskuchen – weich und dunkel und warm, mit einem Zuckerhäubchen oben drauf, das beim Abkühlen knackig wurde.

„Heute backst du mit mir", sagte Oma Fatima und reichte ihm eine Schürze. Die Schürze war blau mit gelben Sonnenblumen, viel zu groß für Issa, und er musste sie zweimal um die Taille schlingen.

Aber dann geschah etwas Merkwürdiges.

Oma Fatima holte den alten Rührgerät aus dem Schrank – ein schweres, brummiges Gerät mit zwei Rührhaken. Sie befestigte ihn an der Schüssel, stellte ihn auf Stufe zwei, und begann, Zucker einzufüllen.

Das Rührgerät schnurrte. Dann rannte es plötzlich auf Stufe fünf, ohne dass jemand den Knopf berührt hatte. Zucker sprühte durch die ganze Küche.

„Aah!", rief Oma Fatima.

Issa wischte sich Zucker aus dem Gesicht.

Das Rührgerät drehte wieder langsam. Als wäre nichts gewesen.

Oma Fatima wusch sich das Gesicht, wischte die Arbeitsfläche ab, und fing von vorne an.

Diesmal lief das Rührgerät auf Stufe eins. Gleichmäßig, ruhig. Oma gab Mehl dazu. Alles schien gut.

Bis zum Backpulver.

In dem Moment, als Oma die halbe Flasche Backpulver nahm, schaltete das Rührgerät wieder auf Maximalstufe. Die halbe Flasche Backpulver wurde in die Schüssel gerissen, gefolgt von einer weißen Wolke, die die gesamte Küche in Mehlnebel hüllte.

Issa und Oma standen da wie zwei Schneemänner.

„Was ist mit dem Ding los?", murrte Oma Fatima. Sie wischte sich das Gesicht an der Schürze ab und betrachtete das Rührgerät mit gerunzelter Stirn.

Das Rührgerät summte leise. Zufrieden.

„Oma", sagte Issa langsam. Er hatte das Gerät genau beobachtet. „Ich glaube, es macht das absichtlich."

„Unsinn. Es ist ein Rührgerät. Es kann nichts absichtlich machen."

„Aber jedes Mal, wenn du irgendwas reingibst, dreht es durch. Nicht von selbst. Immer genau dann."

Oma Fatima schaute das Rührgerät an. Das Rührgerät summte.

„Als ob es Aufmerksamkeit will", sagte Issa.

Oma Fatima setzte sich auf einen Küchenstuhl und fächerte sich Luft zu. „Maschinen wollen keine Aufmerksamkeit."

„Vielleicht diese schon", sagte Issa.

Eine lange Stille.

Das Rührgerät schnurrte einmal und hörte auf.

Issa schaute es an. Es sah alt aus – nicht kaputt, aber alt. Der Lack an der Seite war abgeplatzt. An einem Rührhaken fehlte ein Stück. Es hatte schon viele Jahre in diesem Schrank gestanden.

Vielleicht, dachte Issa, ist das ein Problem.

„Ich habe eine Idee", sagte Issa.

Oma Fatima schaute ihn an. Sie kannte diesen Ton. Dieser Ton bedeutete meistens, dass etwas Überraschendes folgte.

„Wir fragen ihn höflich."

„Wen?"

„Das Rührgerät." Issa schluckte kurz, dann sagte er fest: „Es hat keinen Namen. Ich glaube, das ist das Problem. Wenn man kein Name hat, dann fühlt man sich nicht gesehen. Dann macht man manchmal Dinge, die anderen auffallen, weil man sonst nicht da wäre."

Oma Fatima blinzelte.

Issa stieg von seinem Hocker. Er trat vor das Rührgerät, stellte sich gerade hin – so gerade, wie er es konnte –, und räusperte sich.

„Guten Morgen", sagte er höflich. „Ich bin Issa. Ich heiße ab heute Rudi. Du, meine ich – du heißt ab heute Rudi. Weil du so rund bist und weil du immer rührst."

Hinter ihm hörte er Oma Fatima leise kichern.

Aber er schaute nicht um.

„Rudi", fuhr er fort, „wir würden gerne einen Gewürzkuchen backen. Omas besten. Den mit Kardamom. Und wir würden uns sehr freuen, wenn du uns hilfst. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Einfach so, wie er am besten wird."

Eine Pause.

Dann – und Oma Fatima sah es mit eigenen Augen – fing das Rührgerät an zu summen. Ruhig. Gleichmäßig. Stufe zwei.

Nicht zu schnell. Nicht zu langsam.

Einfach richtig.

„Siehst du?", sagte Issa.

Oma Fatima stand auf und trat neben ihn. Sie schaute das Rührgerät an. Sie schüttelte den Kopf. Aber dann lächelte sie.

„Also gut", sagte sie. „Dann fangen wir noch einmal an. Von vorne. Mit Rudi."

Rudi war ein anderes Gerät.

Nicht technisch – das wusste Issa. Rudi war derselbe alte Mixer wie vorher, mit demselben abgeblätterten Lack und demselben angeschlagenen Haken. Aber irgendwie – und Issa wusste nicht wie, und vielleicht war das auch gar nicht wichtig – war alles anders.

Rudi rührte den Teig perfekt durch. Mehl, Eier, Zucker, Backpulver, Kardamom, Zimt, geriebene Muskatnuss – alles wurde eingerührt, und Rudi hielt jedes Mal genau die richtige Geschwindigkeit. Nicht zu langsam, sodass Klumpen blieben. Nicht zu schnell, sodass Luft rein kam.

Oma Fatima goss den Teig in die Form.

„Du musst noch was sagen", flüsterte Issa.

„Was denn?", flüsterte Oma zurück.

„Danke. Zu Rudi."

Oma Fatima schaute ihn an. Dann schaute sie das Rührgerät an. Dann räusperte sie sich.

„Danke, Rudi", sagte sie – leise, aber deutlich.

Rudi summte einmal. Kurz. Dann schwieg er.

Oma schob die Form in den Ofen.

Während der Kuchen buk, saßen Issa und Oma Fatima am Küchentisch und tranken Tee. Der Duft von Kardamom und warmem Teig füllte die Küche und Issa lehnte den Kopf an Omas Schulter.

Nach vierzig Minuten piepte der Ofen.

Oma holte den Kuchen heraus. Er war perfekt – dunkelgolden, gleichmäßig gewölbt, mit einem Zuckerhäubchen oben drauf, das schon begann zu glänzen.

„Das", sagte Oma Fatima feierlich, „ist der schönste Gewürzkuchen, den ich seit Jahren gemacht habe."

Issa schaute zu Rudi.

Rudi summte leise. Zufrieden.

Sie schnitten den Kuchen auf und aßen ein Stück – Issa und Oma und später auch Mama, die extra vorbeigekommen war, weil der Geruch durch das offene Küchenfenster nach draußen gestiegen war.

Jeder sagte, es sei der beste Gewürzkuchen überhaupt.

Issa aß langsam. Er ließ die Gewürze auf der Zunge liegen und dachte nach.

Er dachte: Rudi ist nicht neu geworden. Er ist nicht gewachsen, hat keine Zähne bekommen, keine Augen. Er ist genau so alt und genau so schwer und genau so abgeplatzt wie vorher.

Und trotzdem.

Ein Name, dachte Issa. Manchmal braucht etwas nur einen Namen, um sich gesehen zu fühlen.

Am Ende, als alle Stücke gegessen waren und Oma den Tisch abwischte, schlich Issa kurz zur Arbeitsfläche. Er schnitt noch ein winziges Stück Kuchen ab – das allerkleinste – und legte es neben das Rührgerät. Auf die Stelle, wo der Lack abgeplatzt war.

Oma sah das. Sie sagte nichts.

Issa klopfte einmal kurz auf Rudis Seite. „Das ist für dich", flüsterte er. „Du hast dir das verdient."

Rudi schwieg.

Aber irgendwie – und vielleicht war das nur Issas Einbildung, aber vielleicht auch nicht – schimmerte der abgeplatzte Lack an der Seite in dem warmen Küchenlicht ein kleines bisschen heller als vorher.

Als wäre er stolz.

Und Issa ging nach Hause mit Kuchenkrümeln im Mund und einem Lächeln so warm wie der Ofen, aus dem der Kuchen kam.

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