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Der Drache mit dem goldenen Herz
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Der Drache mit dem goldenen Herz

8:14 MinFür alle
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Zara

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Die Geschichte zum Lesen

Auf dem höchsten Gipfel des Silbergebirges lebte ein Drache namens Bruno.

Bruno war nicht besonders groß für einen Drachen. Seine Schuppen waren dunkelblau, fast schwarz, und seine Augen leuchteten bernsteinfarben wie Herbstblätter gegen die Sonne. Er hatte Flügel, die er gut falten konnte, und einen Schwanz, der manchmal ein bisschen zu weit nach rechts zuckte, wenn er aufgeregt war.

Das Problem mit Bruno war folgendes: Er konnte kein Feuer spucken.

Nicht gar keins. Er konnte kleine Funken. Manchmal, wenn er sehr, sehr angestrengt versuchte, kam ein winziges Flämmchen, ungefähr so groß wie eine Kerzenflamme. Es reichte, um einen Wachsstock anzuzünden. Aber kein richtiges Drachenfeuer, das Berge wärmt und Wasser erhitzt und — seien wir ehrlich — das einem Drachen den Respekt gibt, den er braucht.

Die anderen Drachen im Gebirge hatten deshalb nicht viel Interesse an Bruno.

Drache Ignaz konnte Feuerstürme erzeugen, die einen ganzen Wald entlauben. Drachendame Hildegard schoss blaue Flammen, die so heiß waren, dass Felsen schmolzen. Und dann war da noch Bruno, der kleine Funken machte und sich entschuldigte.

Also lebte Bruno allein auf seinem Gipfel.

Er hatte eine kleine Höhle mit einem Felsvorsprung, von dem man weit ins Tal schauen konnte. Er verbrachte die meiste Zeit damit, in die Ferne zu schauen und darüber nachzudenken, wie das wäre, ein richtiger Drache zu sein.

Eines Tages — es war schon Herbst, und der erste Schnee lag auf den oberen Hängen — sah Bruno etwas Ungewöhnliches.

Unten am Bergpfad, weit unterhalb seiner Höhle, lief jemand. Kein Drache. Keine Drachendame. Ein Kind — ein Mädchen, mit roten Stiefeln und einem Rucksack, der zu groß für sie aussah. Und das Mädchen lief nicht mehr — es stand und schaute sich um, und selbst aus Brunos Höhe konnte er sehen, dass sie sich umdrehte und in alle Richtungen schaute, so wie man es tut, wenn man nicht mehr weiß, wo man ist.

Sie war verloren.

Bruno runzelte die Stirn — Drachen können das nicht wirklich, aber er hatte etwas, das einem Stirnrunzeln sehr ähnlichsah. Er schaute ins Tal. Die Sonne stand schon tief. In ein, zwei Stunden würde es dunkel sein. Der Pfad nach unten ins Dorf war lang und in der Dunkelheit fast unsichtbar.

Er schaute auf seine Pfoten.

Er schaute auf das Mädchen.

Er wusste genau, was ein richtiger Drache jetzt getan hätte: Er wäre hinuntergeflogen, hätte Feuer gespuckt, um den Weg zu beleuchten, und hätte das Kind sicher nach Hause gebracht. Groß und eindrucksvoll und feurig.

Bruno konnte kein richtiges Feuer spucken.

Aber er konnte fliegen.

Er faltete seine Flügel auf, sprang vom Felsvorsprung und glitt hinunter ins Tal.

Das Mädchen hieß Mia.

Als Bruno vor ihr landete — was er so leise tat wie ein Drache nur kann, was trotzdem ziemlich laut war — sprang Mia zurück und ließ den Rucksack fallen. Dann blieb sie stehen. Und dann, nach einem langen Moment, in dem beide einander anschauten, sagte Mia: Du bist aber klein für einen Drachen.

Bruno blinzelte.

Er war es nicht gewohnt, dass man ihm sagte, er sei klein.

Ein bisschen, sagte er.

Kannst du Feuer spucken?, fragte Mia.

Bruno zögerte. Dann machte er ein kleines Flämmchen. Ungefähr Kerzengröße. Mia betrachtete es ernsthaft.

Das reicht nicht, um einen Weg zu beleuchten, sagte sie.

Weiß ich, sagte Bruno. Aber ich kenne den Weg auswendig. Ich fliege ihn jeden Tag. Wenn du dich an meinen Rücken hältst, bringe ich dich ins Dorf.

Mia schaute ihn an. Dann schaute sie auf den langen, dunklen Bergpfad. Dann wieder auf Bruno.

Kannst du mich auch nicht fallen lassen?, fragte sie.

Ich werde es versuchen, sagte Bruno, was ehrlicher war als nein, ich verspreche es — denn Bruno war der Ansicht, dass man nur Dinge versprechen sollte, die man wirklich halten konnte.

Mia überlegte fünf Sekunden. Dann kletterte sie auf seinen Rücken.

Sie war nicht schwer. Und Bruno — er merkte es, als sie ihre kleinen Hände in seine Schuppen griff — war auf einmal sehr, sehr vorsichtig.

Er hob ab.

Bruno flog langsam. Viel langsamer als er konnte.

Die Luft war kalt und roch nach Schnee und nach den letzten gelben Blättern, die noch an den Birken hingen. Unten im Tal wurden die ersten Lichter angemacht — die Häuser des Dorfes glühten warm und einladend in der Dämmerung.

Mia hatte aufgehört, angespannt zu sein. Sie hielt sich noch fest, aber ihre Schultern waren nicht mehr ganz so verkrampft. Und nach einer Weile — Bruno merkte es aus dem Augenwinkel — schaute sie nicht mehr runter auf das Tal, sondern zur Seite, auf die Berge, die im letzten Abendlicht golden glühten.

Das ist schön, sagte Mia leise.

Ja, sagte Bruno.

Siehst du das jeden Tag so?

Jeden Abend, sagte Bruno.

Mia dachte darüber nach. Dann sagte sie: Dann tut mir leid, dass du so alleine bist.

Bruno schwieg. Er wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Er hatte eigentlich gedacht, dass man das nicht so einfach sehen kann — das Alleinsein. Aber Mia hatte es gesehen.

Du musst kein richtiges Feuer spucken, sagte Mia nach einer Weile. Das sagen die anderen Drachen vielleicht. Aber du hast mich gefunden. Und du kennst den Weg. Und du hast mich nicht fallen gelassen.

Sie hielten inne über dem Dorf.

Bruno machte sein kleines Flämmchen.

Mia lachte. Es klang wie Wasser über Kieselsteine.

Bruno fand, dass das Flämmchen heute etwas größer war als sonst.

Bruno landete am Rand des Dorfes, wo ein alter Walnussbaum stand.

Mia kletterte von seinem Rücken. Sie stand im Gras und schaute ihn an. Ihre roten Stiefel waren nass vom Schnee. Ihr Rucksack hing schief. Aber sie lächelte.

Danke, Bruno, sagte sie.

Bitte, sagte Bruno — was er eigentlich selten sagte, weil er selten etwas tat, wofür jemand danke sagte.

Kommst du morgen wieder?, fragte Mia.

Ich sitze jeden Abend auf meinem Felsvorsprung, sagte Bruno. Du kannst mich sehen, wenn du hinausschaust.

Mia nickte ernst. Dann winkte sie — einmal, kurz — und lief ins Dorf.

Bruno schaute ihr nach, bis sie durch eine rote Haustür verschwunden war.

Dann breitete er die Flügel aus und stieg auf.

Auf dem Rückweg zum Gipfel dachte er nach. Er dachte an das, was Mia gesagt hatte: Du musst kein richtiges Feuer spucken. Er dachte daran, dass er heute Nacht zum ersten Mal seit langer Zeit nicht allein auf seinem Felsvorsprung sitzen würde — weil er jetzt wusste, dass irgendwo im Dorf ein Mädchen mit roten Stiefeln aus einem Fenster schaute und ihn suchte.

Auf dem Gipfel angekommen, rollte Bruno sich in seiner Höhle zusammen. Die Steine waren kalt, aber er war warm.

Er machte sein Flämmchen — das kleine, kerzendünne Flämmchen. Es tanzte für einen Moment im Dunkel der Höhle.

Vielleicht war das genug.

Bruno schloss die bernsteinfarbenen Augen.

Und schließlich schlief er — ruhig und zufrieden — auf dem höchsten Gipfel des Silbergebirges, während unten im Tal ein kleines Licht in einem Fenster leuchtete.

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