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Der Elefant und der Regen
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Der Elefant und der Regen

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Tembo war noch nie beim Regen dabei. Als das erste Gewitter über die Savanne zieht, läuft er einfach rein — und tanzt im Wasser.

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Die Geschichte zum Lesen

Tembo war ein Elefant, und er war sehr groß.

Er war der größte im Rudel — außer seiner Mutter. Seine Mutter war die allergrößte: ein ruhiges, mächtiges Tier, das seit mehr als vierzig Jahren durch die Savanne zog und dabei alles gesehen hatte, was es zu sehen gab.

Heute stand das Rudel am Wasserloch. Aber das Wasserloch war fast leer. Es war trocken gewesen, sehr lange — der Boden darum herum war gerissen wie alte Haut. Die anderen Tiere waren auch da: Zebras, Antilopen, ein paar Störche. Alle still, alle wartend.

Tembo schaute in den Himmel.

Oben, weit am Horizont, waren dunkle Wolken. Er konnte sie riechen — Wasser, Erde, das Gewitter, das noch weit weg war. Sein Rüssel hob sich in die Luft. Das war kein Denken. Das war ein Wissen, tief im Körper: Regen kommt.

„Bald“, sagte seine Mutter. Sie hatte dasselbe gespürt.

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Das Gewitter kam langsam.

Erst nur der Wind, der auffrischte und die Gräser flach drückte. Dann die Wolken, die schneller waren als sie aussahen. Dann das erste Rollen des Donners — so tief und weit, dass es die Erde selbst war, die sprach.

Die Zebras wurden unruhig. Sie tänzelten und schauten mit wilden Augen. Die Störche flogen auf.

Abder die Elefanten standen still.

Tembo stand neben seiner Mutter und wartete. Der Wind bewegte seine großen Ohren — hin und zurück, hin und zurück, wie Fächer, die er nicht bewusst bewegte. Er schaute auf die Wolken, die jetzt dunkelblau-grau waren, fast schwarz am Rand.

Ein Blitz zuckte am Horizont. Tembos Körper — dieses riesige, dicke Grau, das vier Tonnen wog — zuckte nicht. Er wartete einfach.

Dann das zweite Rollen. Nähes dieses Mal. Das ganze Rudel stand jetzt zusammen, die Kleinen in der Mitte.

Der erste Regentropfen fiel auf Tembos Rücken.

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Und dann kam der Regen.

Nicht tropfenweise — auf einmal. Ein Vorhang aus Wasser, der über die Savanne kam und alles gleichzeitig traf: Gräser, Erde, Bäume, Wasserloch.

Tembo tat etwas, was er nur tat, wenn er sehr, sehr glücklich war.

Er rannte.

Für einen vier Tonnen schweren Elefanten war das keine elegante Angelegenheit — er stampfte und wackelte und warf mit jedem Schritt Schmutz und Wasser auf. Aber das spielte keine Rolle. Der Regen war warm und stark, und er klatschte auf Tembos Rücken wie tausend kleine Hände.

Sein Rüssel reckte sich in die Luft. Er saugte Wasser ein und sprühte es wieder heraus — als Fontäne, als Dusche, als Freude ohne Form.

Seine Mutter trompetete. Die anderen Elefanten trampelten. Das Wasserloch — eben noch halb leer — füllte sich schnell.

Tembo stand mitten im Regen und ließ sich durchweichen. Er war nass bis auf die Knochen, was bei einem Elefanten sehr weit ist.

Es war herrlich.

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Der Regen hörte so schnell auf, wie er angefangen hatte.

Die Wolken zogen weiter. Zwischen ihnen schien die Sonne — ein anderes Licht als vorher, goldener, weicher. Alles, was nass war, glänzte.

Die Savanne roch nach Erde und Regen und dem Grün, das schon begann zu spüren, dass Wasser da war.

Tembo stand am jetzt vollen Wasserloch und trank. Mit dem Rüssel saugte er das Wasser auf — Liter für Liter — und goss es in seinen Mund. Ein Elefant trinkt in einem Zug bis zu hundert Liter. Das dauerte eine Weile.

Seine Mutter stand neben ihm. Sie war nass, grau, ruhig — und irgendwie glücklich, auf die Art, wie sehr alte Wesen glücklich sein können: still und vollständig.

„Hast du das gewusst?“, fragte Tembo. „Dass der Regen kommt?“

Seine Mutter schwieg kurz. „Ich habe die Luft gerochen“, sagte sie. „Ich kenne diesen Geruch seit vierzig Jahren.“

Tembo schnüffelte die Luft. Er wollte auch lernen, diesen Geruch zu kennen.

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Als die Sonne unterging, legte das Rudel sich hin.

Elefanten schlafen ein bisschen — nicht viel, nur zwei oder drei Stunden. Den Rest der Nacht stehen sie oder wandern. Aber in dieser Nacht, nach dem Regen, nach dem Trinken, nach dem Trampeln und Freuen, legten sie sich hin.

Tembo legte sich neben seine Mutter. Ihr Körper war groß und warm, auch wenn er nass war. Er legte seinen Kopf an ihre Seite.

Der Himmel über der Savanne war klar geworden. Die Sterne kamen hervor — viele Sterne, viel mehr als in der Stadt, weil es hier kein anderes Licht gab.

Tembo schaute die Sterne an. Er wusste nichts über sie. Er wusste nur, dass sie immer da waren, wenn der Himmel klar war.

Irgendwo in der Ferne trompetierte ein Elefant. Weit weg, aus der Dunkelheit. Tembos Mutter antwortete, leise, ein tiefes Grollen.

Gute Nacht, kleiner Tembo. Du hast heute deinen ersten Regen richtig gespürt — und du wirst ihn nie vergessen.

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