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Der Fuchs und der erste Schnee
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Der Fuchs und der erste Schnee

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Felix hat noch nie Schnee gesehen. Als er an einem Wintermorgen aufwacht und die Welt weiß ist, läuft er einfach los — und entdeckt das Wunder von allein.

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Die Geschichte zum Lesen

Felix war ein junger Fuchs. Dieser Herbst war sein erster Herbst, und dieser Winter war sein erster Winter — und er hatte noch nie Schnee gesehen.

An diesem Morgen wachte Felix auf und die Welt war weiß.

Er kroch aus dem warmen Bau, in dem er mit seiner Mutter schlief, und streckte die Schnauze heraus. Ein kleines Schneeflocke fiel genau auf seine Nase. Sie war kalt — kleiner Moment, dann schmolz sie.

Felix blinzelte.

Alles war weiß. Der Waldboden — weiß. Die Äste der Bäume — weiß. Die Luft — voller winziger weißer Punkte, die leise und langsam fielen.

Es war so still, dass Felix die Stille fast hören konnte. Kein Rascheln, kein Knacken, kein Vogel. Nur das leise, weiche Geräusch des fallenden Schnees — ein Geräusch, das man mehr fühlte als hörte.

„Mama“, rief Felix zurück in den Bau. „Was ist das?“

„Schnee“, sagte seine Mutter schläfrig. „Geh rein. Es ist kalt.“

Aber Felix konnte nicht reingehen. Er musste das verstehen.

Felix tat etwas, was seine Mutter ihm nicht erlaubt hatte: Er lief los.

Sein erster Schritt in den Schnee war ein Schock. Er war kalt! Und tief! Felix sank fast bis zu den Schultern ein und musste springen, um weiterzukommen. Mit jedem Sprung warf er eine kleine Wolke aus weißen Flocken auf.

Dann blieb er stehen und schaute zurück. Da waren seine Spuren. Vier kleine Pfoten, alle hintereinander — genau da, wo er entlanggegangen war.

Fellix hatte noch nie Spuren von sich selbst gesehen. Es war ein komisches Gefühl. Als hätte man einen Beweis, dass man da gewesen war.

Er drehte sich im Kreis. Er machte einen Sprung. Er steckte seine Schnauze tief in den Schnee und zog sie wieder raus. Die Nase war kalt und rot, und an den Schnurrhaaren hingen kleine Eiskristalle.

Dann fiel er einfach um — absichtlich, auf die Seite — und lag im Schnee. Es war kalt. Es war nass. Es war das Schönste, was Felix je gespürt hatte.

Felix hörte ein Geräusch unter dem Schnee.

Ein leises, raspelndes Graben. Er legte das Ohr an die weiße Oberfläche — und hörte es noch deutlicher. Irgendwo tief drunter bewegte sich etwas.

Er grub. Seine Pfoten schaufelten schnell, der Schnee flog hinter ihm her. Und dann fand er es: Eine Feldmaus saß in einem kleinen Tunnel unter dem Schnee. Sie blinzelte Felix an, völlig unbeeindruckt.

„Du weißt, dass du meinen Tunnel aufgemacht hast?“, sagte die Maus.

„Sorry“, sagte Felix. „Ich habe dich gehört.“

Die Maus schaute kurz nach oben, in den Schnee, den Felix aufgewühlt hatte. Dann schaute sie Felix an.

„Unter dem Schnee ist es warm“, sagte die Maus. „Der Schnee hält die Kälte draußen. Wie ein Dach.“

Felix war das noch nie so gedacht. Schnee als Dach. Als Schutz.

Die Maus schloss den Tunnel wieder — irgendwie, Felix verstand nicht wie — und verschwand.

Felix saß im Schnee und dachte darüber nach. Dasselbe, das ihn fror, hielt die Maus warm.

Felix lief zurück zu seinem Bau. Aber dieses Mal lief er nicht einfach geradeaus — er lief im Zickzack, hüpfte über einen gefrorenen Bach, leckte an einem Eiszapfen, der von einem Ast hing.

Der Eiszapfen schmeckte nach Wasser, aber kälter. Viel kälter.

Als Felix bei seinem Bau ankam, wartete seine Mutter vor dem Eingang. Sie sah nicht böse aus — nur ein bisschen besorgt und ein bisschen amüsiert zugleich, so wie Mütter manchmal aussehen.

„Du siehst aus wie ein Schneeigel“, sagte sie.

Felix schaute an sich herunter. Er war tatsächlich von Kopf bis Pfote mit Schneeflocken bedeckt. Seine Ohren waren weiß. Sein Schwanz war fast vollständig eingeschneit.

„Ich habe Schnee entdeckt“, sagte Felix feierlich.

„Ich weiß“, sagte seine Mutter. „Komm rein. Du machst mich kalt.“

Felix folgte ihr in den warmen Bau. Das Stroh und die Blätter, auf denen sie schliefen, rochen nach Wald und Wärme. Felix legte sich hin und merkte, wie kalt seine Pfoten gewesen waren.

Felix schlief schnell ein. Er war so müde von all dem Springen und Graben und Entdecken, dass er kaum die Augen aufhalten konnte.

Aber kurz bevor er einschlief, dachte er noch einmal an den Schnee. An die Stille, die er gebracht hatte. An die Spuren, die er hinterlassen hatte. An die Maus in ihrem warmen Tunnel.

Morgen, dachte Felix, gehe ich wieder raus. Er wollte sehen, ob seine Spuren noch da waren. Er wollte noch mehr von dem Schnee entdecken, der so weiß und kalt und still und wunderbar war.

Draußen vor dem Bau fiel noch immer leise Schnee. Er bedeckte alles. Er machte die Welt leise und neu.

Felix rollte sich ganz fest zusammen. Er war warm. Er war müde. Er war glücklich.

Gute Nacht, kleiner Fuchs. Draußen wartet der Schnee auf dich — auch morgen ist er noch da.

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