
Der mutige Igel
Finn ist ein kleiner Igel, der Angst vor der Dunkelheit hat. Doch als er sich traut, hinauszugehen, entdeckt er eine Welt voller Wunder — und findet einen neuen Freund.
Die Geschichte zum Lesen
Finn war ein Igel. Kein gewöhnlicher Igel — denn Finn hatte etwas, das die anderen Igel in seinem Wald nicht hatten: Er hatte Angst vor dem Dunkeln.
Das war unangenehm. Denn Igel schlafen tagsüber und wachen nachts auf. Und nachts war es dunkel.
Every Abend, wenn die Sonne hinter den Bäumen verschwand und der Wald sich in Schatten verwandelte, rollte Finn sich zu einer Kugel zusammen und blieb einfach liegen. Er hörte die anderen Tiere des Waldes — das leise Knacken eines Zweiges, das Rascheln von Blättern, das ferne Rufen einer Eule — und sein kleines Herz schlug schneller.
Die anderen Igel gingen einfach so in den dunklen Wald hinein. Sie wühlten im Laub nach Käfern. Sie tranken aus dem kleinen Bach. Sie liefen durch die Nacht, als wäre sie ihr Zuhause.
Finn wollte das auch. Aber er konnte nicht. Noch nicht.
Bis zu dieser Nacht.
An diesem Abend saß Finn am Rand seiner kleinen Blätterhöhle und schaute in den Wald hinaus. Der Mond schien zwischen den Bäumen. Er warf lange, silberne Streifen auf den Waldboden — und plötzlich sah Finn, dass die Nacht gar nicht so dunkel war.
Es gab Licht. Überall Licht. Das Mondlicht. Das Licht der Sterne. Das schwache Glühen von Glühwürmchen, die zwischen den Farnen tanzten.
Finn streckte eine Pfote aus dem Laubhaufen. Der Waldboden war kühl und weich.
Er streckte die andere Pfote aus.
Dann — sehr langsam — kam der Rest von ihm nach.
Finns Stacheln standen auf, so wie immer, wenn er aufgeregt war. Er schnupperte. Der Wald roch nach feuchter Erde und alten Blättern und etwas, das wie Pilze roch. Es war nicht beängstigend. Es war — interessant.
Ein Schritt. Dann noch einer.
Finn war im Wald.
Finn lief sehr langsam. Er schnupperte an allem, was er fand.
Ein Stein, der feucht und kühl war. Eine Schnecke, die sich in ihr Haus zurückgezogen hatte und überhaupt keine Angst zu haben schien. Einen alten Baumstumpf, aus dem es leise knisterte — wahrscheinlich Käfer, die tief drinnen arbeiteten.
Und dann: der Bach.
Finn hatte noch nie den Bach bei Nacht gesehen. Tagsüber, wenn die anderen erzählten, hatte er sich nur den Bach im Sonnenlicht vorgestellt. Aber der Bach bei Nacht war etwas anderes.
Das Wasser glitzerte. Das Mondlicht spiegelte sich darin, brach sich in tausend kleine Lichter. Der Bach klang anders bei Nacht — ruhiger, tiefer, fast wie ein Flüstern.
Finn beugte sich vor und trank. Das Wasser war kalt und schmeckte nach Stein und Mond.
Er war mutig gewesen. Und jetzt stand er am Bach. In der Nacht. Allein — und es war wunderschön.
Und dann — Finn erschrak kurz — war er nicht mehr allein.
Neben ihm stand ein anderer Igel. Klein, rund, mit einem weißen Fleck auf der Nase.
„Du bist Finn“, sagte der andere Igel. Es war keine Frage.
„Ja“, sagte Finn. „Und du?“
„Marta“, sagte die Igelin. „Ich kenne dich. Du bist der Igel, der Angst vor dem Dunkeln hat.“
Finn wartete, ob er sich schämen sollte. Aber Marta sagte es nicht böse. Sie sagte es einfach — wie eine Tatsache.
„Hatte“, sagte Finn dann. „Ich hatte Angst vor dem Dunkeln.“
Marta schaute ihn an. Dann schaute sie auf den Bach, auf das Mondlicht, auf die Glühwürmchen.
„Das Dunkle ist gar nicht dunkel“, sagte sie schließlich. „Es ist nur anders hell.“
Finn dachte darüber nach. Anders hell. Ja. Genau das war es.
Die beiden Igel saßen eine Weile am Bach und schauten auf das Wasser.
Als Finn wieder zu seiner Blätterhöhle zurückkehrte, war es kurz vor dem Morgen. Der Himmel war noch dunkel, aber an einem Rand, ganz weit weg, war ein kleiner Streifen hellgrau.
Finn rollte sich in seine Höhle. Er war müde. Er roch nach Walderde und Bachstein und Nacht. Sein Bauch war voll von Käfern, die er gefunden hatte, und seine Pfoten waren ein bisschen schmutzig.
Er war ein Igel, der eine Nacht im Wald verbracht hatte. Wie alle anderen Igel auch.
Aber er wusste jetzt etwas, das er vorher nicht gewusst hatte: Die Dunkelheit war nicht sein Feind. Sie war nur eine andere Art von Licht — mit Monden und Sternen und Glühwürmchen und einem Freund namens Marta.
Finn schloss die Augen. Draußen begann ein Vogel sehr leise zu singen — der erste Vogel des Morgens.
Gute Nacht, mutiger Finn. Die Nacht gehört auch dir.
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