
Die Zahl Zwei — Die zwei Mondhasen
Auf dem Mond leben zwei Hasen-Schwestern, die alles zusammen machen. Sie zeigen Mia, warum Zwei die schönste Zahl der Welt ist.
Die Geschichte zum Lesen
Mia hatte zwei Ohren, zwei Augen, zwei Hände und zwei Füße.
Das wusste sie natürlich. Aber dass das etwas Besonderes war — das hatte sie noch nicht so gedacht. Bis zu der Nacht, in der sie die zwei Mondhasen traf.
Es passierte so: Mia lag in ihrem Bett und schaute auf den Mond. Der Mond war fast rund heute, ein bisschen wie ein Frisbee, das jemand sehr weit oben vergessen hatte. Und wenn man lange genug hinschaute — sehr lange, so lange, dass die Augen ein bisschen müde wurden und die Gedanken anfingen zu wandern — dann sah man manchmal Formen im Mond.
Mia sah zwei Formen.
Lange Ohren. Runde Köpfe. Kleine Pfoten.
Hasen. Zwei Hasen.
Und dann winkten sie.
Mia blinzelte. Sie rieb sich die Augen. Sie schaute noch einmal. Die Hasen winkten immer noch — fröhlich, mit beiden Pfoten, als wäre sie sehr lange erwartet worden.
Mia kletterte aus dem Bett, öffnete ihr Fenster — das Mondlicht fiel warm herein, viel wärmer als normales Mondlicht, fast wie Sonnenschein, nur sanfter — und setzte sich auf das Fensterbrett.
Wir sind Luna und Lotta, sagten die zwei Hasen. Und wir wohnen zusammen auf dem Mond.
Zusammen?, fragte Mia.
Immer zusammen, sagten sie, und klangen dabei sehr fröhlich. Wir machen alles zu zweit. Das ist die Regel auf dem Mond. Und weißt du warum?
Warum?, fragte Mia.
Weil Zwei das Beste ist, sagten Luna und Lotta. Nicht zu wenig und nicht zu viel. Genau richtig.
Mia dachte nach. Zwei. Zwei war... eine Socke und noch eine Socke. Ein Schuh und noch ein Schuh. Eine Seite eines Buches und noch eine Seite. Die Vorderseite und die Rückseite.
Stimmt, sagte sie langsam. Manche Dinge machen nur Sinn zu zweit.
Luna hüpfte aufgeregt auf dem Mond. Genau! Zwei Flügel beim Schmetterling. Zwei Räder beim Fahrrad. Zwei Stöcke zum Trommeln. Zwei Schnürsenkel zum Binden!
Zwei Wangen zum Küssen, sagte Lotta und kicherte.
Zwei Augen zum Sehen — eines für nah und eines für weit, sagte Luna.
Zwei Hände zum Halten, sagte Lotta.
Mia schaute auf ihre eigenen Hände. Die linke und die rechte. Sie waren ein bisschen unterschiedlich — die linke hatte eine kleine Narbe am Daumen, von dem Sturz letzten Sommer. Die rechte konnte besser malen. Aber zusammen konnten sie Dinge, die keine allein konnte: in die Hände klatschen, etwas festhalten, jemandem eine Umarmung geben.
Zwei passt gut zusammen, sagte Mia.
Immer, sagten Luna und Lotta gleichzeitig. Und dann lachten sie, weil sie gleichzeitig gesprochen hatten, was bei Zwei ja oft passiert.
Mia dachte an ihre beste Freundin Emma. Die wohnte zwei Häuser weiter. Wenn Mia traurig war, kam Emma. Wenn Emma aufgeregt war, rief sie Mia. Zwei Mädchen, die nicht dieselben waren — aber zusammen stärker, als jede einzeln wäre.
Habt ihr manchmal Streit?, fragte Mia.
Luna und Lotta schauten sich an. Manchmal, sagte Luna. Manchmal will ich links hüpfen und sie will rechts.
Und dann?, fragte Mia.
Dann hüpfen wir abwechselnd, sagte Lotta. Erst links, dann rechts. Das macht sogar mehr Spaß.
Mia lächelte. Das kannte sie. Streit und dann Einigung — das war auch zu zweit. Zwei Meinungen, die zusammenfinden.
Luna zog etwas hinter sich hervor: zwei kleine Mondsteine, silbern und warm. Sie warf einen zu Mia — er landete weich in ihrer offenen Hand. Der andere behielt sie.
Damit erinnerst du dich an die Zwei, sagte Luna. Immer wenn du ihn anschaust, denk daran: Es gibt ein Paar von allem, was zählt.
Mia hielt den Mondstein fest. Er war warm wie ein Atemzug.
Schlafen wir auch zu zweit?, fragte sie.
Luna dachte nach. Du schläfst mit deinen Gedanken, sagte sie schließlich. Die gehen immer mit. Das sind zwei, die sich nie trennen.
Mia nickte. Dann kletterte sie zurück in ihr Bett, den Mondstein in der Hand, und schloss die Augen.
Zwei Augen zu. Zwei Ohren noch ein bisschen offen. Zwei Atemzüge. Dann Schlaf.
Gute Nacht, Mia. Gute Nacht, Luna. Gute Nacht, Lotta. Die Zahl Zwei leuchtet heute Nacht vom Mond.
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