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Luna und das Mondhaus
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Luna und das Mondhaus

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Peter

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Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.

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Die Geschichte zum Lesen

Luna hieß Luna, weil sie in einer Mondnacht geboren worden war.

Ihre Mutter hatte das erzählt: Es war der fünfzehnte des Monats, die Nacht war sehr klar, und der Vollmond war so groß gewesen, dass man ihn durchs Krankenhausfenster sah, direkt vom Kreißsaal aus. Also hieß das Mädchen Luna.

Luna selbst fand das schön. Ihr Name bedeutete Mond. Der Mond bedeutete Nacht. Nacht bedeutete Sterne, Stille und Schlafenszeit — die drei besten Dinge des Tages.

Sie war sieben Jahre alt und hatte noch nie einen Menschen getroffen, der auch Luna hieß.

An diesem Abend lag sie auf der Gartenschaukel und schaute hoch. Der Mond war heute nicht voll — er war eine Sichel, schmal und scharf, wie jemand ein goldenes Komma an den Himmel gemalt hatte.

Luna schaute die Sichel an.

Sie dachte: Auf dem Mond gibt es ein Haus.

Das stimmte nicht wirklich. Es gab kein Haus auf dem Mond. Es gab Mondstaub und Mondkrater und Mondgestein, und ein paar alte Flaggen von den Apollo-Missionen, die mittlerweile wahrscheinlich ausgeblichen waren, weil auf dem Mond die Sonne sehr grell war. Aber ein Haus gab es nicht.

Trotzdem: Luna war überzeugt, dass es eins gab.

Nicht sichtbar. Nicht auf Karten eingezeichnet. Aber da — in einem Krater, vielleicht, oder hinter einem Felsvorsprung. Ein kleines Haus, das auf jemanden wartete.

Im Traum war der Weg zum Mond einfach.

Man musste nur hoch genug springen.

Luna sprang von der Schaukel — mit beiden Beinen, Beine zusammen, Arme oben — und anstatt wieder herunterzukommen, stieg sie. Langsam, sehr langsam, wie ein Ballon, dem jemand zu viel Luft gegeben hatte.

Um sie herum wurde es kühler. Dann klarer. Dann dunkel.

Sie schaute nach unten: Der Garten war kleiner geworden. Das Haus mit dem Küchenfenster, das noch hell war — Mama trank ihren Tee. Der Kirschbaum. Die Schaukel, die noch leise schwang.

Luna winkte.

Niemand sah es. Aber das war okay. Man winkte manchmal einfach, weil man wollte, dass die Dinge, die man liebte, wussten, dass man an sie dachte.

Dann schaute sie nach oben.

Der Mond war jetzt größer. Viel größer. Die Sichel füllte den Himmel. Sie war kein Komma mehr — sie war ein Bogen, ein Tor, durch das man hindurch musste.

Luna flog durch das Tor.

Darunter: Mondstaub. Grau und fein wie Mehl, und so leicht, dass ihre Füße kleine Staubwölkchen aufwirbelten, als sie landete, und die Staubwölkchen sich langsam, sehr langsam, wieder senkten — weil auf dem Mond die Schwerkraft kleiner war und alles mehr Zeit brauchte.

Das Haus war genau dort, wo Luna es vermutet hatte: hinter einem Felsvorsprung, in einem kleinen Krater, der windgeschützt war — was auf dem Mond keinen Sinn ergab, weil es auf dem Mond keinen Wind gab, aber das Haus stand trotzdem so, als hätte jemand es mit Bedacht gebaut.

Es war klein.

Nicht winzig — Luna war sieben, und sie passte gut rein. Aber keine Erwachsenen. Das Haus war genau in Lunas Größe gebaut: die Türklinke auf ihrer Höhe, das Fenster auf der richtigen Höhe, um nach draußen zu schauen, ohne auf Zehenspitzen zu stehen.

Die Tür war nicht verschlossen.

Luna drückte die Klinke. Die Tür öffnete sich — leise, ohne zu knarren, als wäre sie gut geölt. Als wartete sie.

Drinnen: ein Tisch mit zwei Stühlen. Ein kleines Bett mit einer Decke, die aussah wie Mondlicht — silbern und ein bisschen schimmernd. Ein Fenster mit Blick auf die Erde.

Die Erde.

Luna trat ans Fenster und schaute.

Von hier war die Erde nicht klein wie von einer Raumstation — sie war groß, halb so groß wie der Himmel, blau und weiß und grün. Luna konnte die Kontinente sehen. Und sie konnte — da, gerade da, ein kleines Stück rechts von der Mitte — Europa sehen. Deutschland. Ihren Garten.

Sie suchte den Kirschbaum.

Sie war sich sicher, dass sie ihn sah.

Luna setzte sich auf das Bett.

Die Mondlichtdecke war warm. Das überraschte sie — auf dem Mond war es kalt, sehr kalt, minus 170 Grad in der Schattenseite. Aber im Mondhaus war es warm, weil das Mondhaus besondere Regeln hatte, die nicht physikalisch sein mussten.

Sie zog die Decke über sich.

Durch das Fenster leuchtete die Erde blau.

Luna dachte an ihren Namen. Luna. Mond. Sie war nach dem Mond benannt, und jetzt lag sie auf dem Mond, in einem Haus, das für sie gebaut worden war — oder für alle Lunas der Welt, das war auch möglich. Vielleicht gab es ein Mondhaus für jeden, der danach suchte.

Sie dachte: Das wäre gut.

Ein Ort, der auf dich wartet. Ein kleines Haus hinter einem Felsen, mit einem Bett genau in deiner Größe und einem Fenster, durch das man nach Hause schauen konnte, obwohl man weit weg war.

Die Erde drehte sich langsam.

Luna beobachtete, wie der Schatten über Europa kroch — die Nacht kam, dunkel und still, und die Lichter der Städte wurden sichtbar, winzig und warm, wie eine zweite Art von Sternen, aber bodengebunden und menschengemacht.

Ihr Dorf war irgendwo dabei. Ein Licht unter vielen.

Mama im Küchenfenster.

Luna lächelte.

Die Decke war warm. Die Erde war da. Das Mondhaus war ein guter Ort.

Luna schlief im Mondhaus.

Draußen: die Stille des Mondes, die totaler war als jede Stille auf der Erde. Kein Wind. Kein Tier. Kein Regen. Kein Atmen der Welt. Nur die langsame Drehung der Erde im Fenster, die sich kaum bemerkbar machte, weil alles so groß war.

Drinnen: Luna, unter der Mondlichtdecke, die silbern war und warm und leicht wie Nichts.

Sie schlief den Schlaf von jemandem, der angekommen ist.

Nicht ans Ziel — sie war erst sieben, sie hatte viele Ziele noch vor sich. Aber für diese Nacht angekommen: Hier. Jetzt. Im Mondhaus hinter dem Felsen, mit dem Fenster auf die Erde.

Im echten Garten schwang die Schaukel noch ein bisschen — der Anschwung vom Sprung hatte nachgezittert, ganz leicht, die Ketten klirren kaum hörbar in der Nacht.

Mama hatte das Küchenfenster gelöscht.

Die Nacht war sehr ruhig.

Irgendwo zwischen dem Garten und dem Mond, zwischen dem Kirschbaum und dem Mondstaub, zwischen dem Zuhause und dem Mondhaus, schlief Luna — und träumte von nichts Bestimmtem. Nur von Licht. Von dem Blau der Erde. Von der Wärme der Mondlichtdecke.

Davon, einen Namen zu haben, der bedeutete: Mond.

Und davon, dass Häuser auf einen warten können — auch wenn man sie noch nicht kennt. Auch wenn sie sehr weit weg sind. Auch wenn man erst sieben ist.

Der Mond leuchtete auf die Gartenschaukel hinunter.

Alles war gut.

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