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Der Junge, der Kometen reitet
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Der Junge, der Kometen reitet

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Peter

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Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.

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Die Geschichte zum Lesen

Emil hatte vier Wochen auf diesen Abend gewartet.

Der Komet hieß 67P — das klang nicht romantisch, aber Emil fand, dass gute Dinge manchmal unromantische Namen hatten. Ein Komet war ein Stück Eis und Staub und Fels, das aus dem äußeren Sonnensystem kam, in Richtung Sonne raste, dabei auftaute und einen Schweif hinterließ. Dieser Schweif war das, was man von der Erde aus sah: ein Strich aus Licht.

Er war neun Jahre alt, und er hatte das Wort Komet dreiundzwanzig Mal seit diesem Monat benutzt.

Seine Schwester hatte das gezählt.

Emil achtete nicht auf seine Schwester. Er achtete auf den Himmel.

Heute Nacht war der Komet am hellsten — Perihelion, der Punkt, an dem er der Sonne am nächsten war. Von der Erde aus sollte er mit bloßem Auge sichtbar sein. Emil hatte sich eine Taschenlampe genommen, die er unter das Bett gelegt hatte, falls er nachts rausgehen musste. Und er hatte das Fenster aufgemacht und wartete.

Der Himmel war klar.

Nach einer Weile — es war nach zehn, vielleicht halb elf — sah er ihn.

Ein Strich. Schwach, aber da. Nicht wie ein Stern, der blitzt. Wie etwas Gezogenes, Gedehntes — wie wenn man einen Stern an seinem Licht festhielt und zog.

Emil lächelte.

Da bist du, flüsterte er.

Emil ritt auf dem Kometen.

In Wirklichkeit hätte das nicht funktioniert — die Oberfläche eines Kometen war staubig und locker und bei weitem nicht fest genug zum Stehen, ganz zu schweigen vom Reiten. Aber im Traum saß Emil oben drauf, auf einem Sattel aus gefrorenem Eis, und der Komet raste durch das Sonnensystem.

Er hielt sich an nichts fest.

Manchmal, im Traum, brauchte man nichts festzuhalten.

Der Geschwindigkeit war unglaublich: Kometen bewegten sich, wenn sie nahe an der Sonne waren, mit bis zu dreihundert Kilometern pro Sekunde. Emil wusste das, aber er hatte es in keinem Zahlen wirklich gespürt. Jetzt spürte er es nicht — weil im Weltraum keine Luft war, die ihm ins Gesicht schlug, kein Widerstand, nichts. Es war wie Stillsitzen auf einem Stuhl, der sich sehr schnell bewegte.

Aber er sah die Sterne.

Sie bewegten sich. Nicht kreisend — sie schoben sich zur Seite, langsam, wie Bäume, die an einem Zugfenster vorbeiziehen. Das bedeutete Geschwindigkeit. Das bedeutete: Ich bewege mich, und das Universum bewegt sich mit.

Vor ihm: die Sonne. Größer als von der Erde aus. Viel größer — er fuhr ja auf sie zu. Sie war weiß, nicht gelb wie von der Erde, und hell in einem Ausmaß, das sein Traumgehirn schützte, indem es eine automatische Schutzbrille einblendete.

Die Sonne zog ihn.

Der Komet zog ihn noch mehr — vorwärts, immer vorwärts.

Emil schaute zurück.

Der Schweif.

Er hatte ihn von der Erde aus gesehen — ein Strich, schwach, wie gezogen. Von hier war er anders: ein Strom aus leuchtendem Gas und Staub, der sich Millionen von Kilometern hinter dem Kometen erstreckte. Er war nicht weiß — er war blaugrün, da wo das ionisierte Gas war, und goldgelb, da wo der Staub das Sonnenlicht streute.

Zwei Schweife.

Emil wusste das — Kometen hatten immer zwei Schweife, einen aus Gas und einen aus Staub, die in leicht verschiedene Richtungen zeigten. Aber er hatte nicht erwartet, dass sie so unterschiedlich aussahen, so verschieden in ihrer Farbe und Textur, als wären es zwei verschiedene Dinge, die zufällig zusammengehörten.

Er streckte den Arm aus in den Schweif.

Die Partikel flogen durch seine Hand — im Traum konnte er das spüren, ein leises Kribbeln, wie wenn man die Hand aus dem Autofenster hält und die Luft einen Widerstand macht, nur sehr viel feiner, sehr viel weniger.

Das Sonnensystem verabschiedete sich.

Denn der Komet — nach dem Perihelion, nach dem nächsten Punkt an der Sonne — flog schon wieder hinaus. Er war auf dem Rückweg in die Tiefen des Sonnensystems, zurück in die Kälte, zurück in die Dunkelheit. Bis zum nächsten Mal, in Jahrzehnten vielleicht, oder Jahrhunderten.

Emil schaute die Sonne an, die kleiner wurde.

Auf Wiedersehen, dachte er. Oder: Danke.

Der Komet flog hinaus.

Hinaus bedeutete: in die Richtung, aus der er gekommen war. Der Oortsche Wolke — eine Hülle aus Billionen von Eiskörpern am äußersten Rand des Sonnensystems, so weit weg, dass das Licht der Sonne dorthin fast eine Stunde brauchte.

Dort war es kalt.

Emil spürte die Kälte, aber wieder: Im Traum frierte man nicht wirklich. Es war das Wissen um Kälte, nicht das Gefühl. Der Komet wurde wieder zu dem, was er außerhalb der Sonne war: ein schmutziger Schneeball, der langsam in die Dunkelheit glitt.

Der Schweif schrumpfte.

Ohne die Wärme der Sonne gab es kein Gas, das verdampfte, keinen Druck, der Partikel hinausblies. Der Schweif wurde kürzer und kürzer, bis der Komet wieder war, was er immer war: ein Felsbrocken mit Eis.

Emil saß darauf.

Um ihn herum: Stille. Die Art von Stille, die so tief war, dass man anfing, das eigene Denken zu hören. Er dachte: Ich bin sehr weit weg. Er dachte: Das ist sehr groß. Er dachte: Und trotzdem bin ich hier.

Der Komet flog.

Die Sterne standen still.

In Jahrzehnten würde der Komet umkehren — die Schwerkraft der Sonne würde ihn irgendwann wieder anziehen, auf eine andere Reise, durch das Sonnensystem, vielleicht sichtbar, vielleicht nicht.

Aber Emil würde dann vielleicht nicht mehr neun sein.

Er würde sich erinnern.

Emil glitt vom Kometen.

Nicht absichtlich — der Traum ließ los, wie Träume manchmal loslassen, wenn sie fertig sind, wenn sie das Richtige gezeigt haben. Er fiel nicht — er schwebte einfach zurück, langsamer als der Komet, in eine andere Richtung.

Rich durch das Sonnensystem. An Saturn vorbei — die Ringe glitzerten. An Jupiter — die Bänder zogen sich horizontal. An Mars — kleiner als man dachte. Zur Erde — blau, bewölkt, vertraut.

Sein Zimmer. Das Bett. Das offene Fenster.

Draußen: Der Komet war nicht mehr zu sehen. Zu weit weg schon, oder hinter einer Wolke, oder das Auge war zu müde.

Emil lag auf dem Rücken.

Er hatte auf dem Rücken geschlafen, das ganze Zeit — nicht auf einem Kometen. Natürlich nicht. Aber er hatte geritten, und er hatte den Schweif gespürt, und er hatte die Kälte des Weltraums gewusst, und er hatte das Sonnensystem von innen gesehen, nicht von außen.

Das war real genug.

Dreiundzwanzig Mal Komet in einem Monat. Und jetzt dazu: einmal geritten.

Seine Schwester würde das nicht verstehen. Seine Schwester verstand viele Dinge nicht. Das war in Ordnung — sie verstand andere Dinge, Dinge, die Emil nicht verstand.

Emil schloss das Fenster halb — halb auf für die Luft, halb zu für die Kälte.

Er zog die Decke hoch.

Er schlief, mit dem Kometen noch im Hinterkopf, auf dem Weg in die Dunkelheit — und irgendwann, irgendwo, vielleicht in Jahrzehnten, wieder zurück.

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