
Reise zum Ringplaneten
Kapitän Peter fliegt mit kleinen Astronauten zum Saturn — und erklärt, warum er einen Ring trägt.

Peter
Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.
Die Geschichte zum Lesen
Heute Nacht unternehmen wir eine ganz besondere Reise.
Mein Name ist Kapitän Peter — und ich fliege seit vielen Jahren durchs All. Ich kenne jeden Stern, jeden Planeten, jede Wolke aus leuchtendem Gas. Aber heute zeige ich dir meinen Lieblingsplaneten von allen.
Wir fliegen zum Ringplaneten. Zum Saturn.
Unser Raumschiff heißt Sternenwind. Es ist nicht groß — aber es ist gemütlich. Zwei weiche Sitze, eine Windschutzscheibe voller Sterne, und ein kleiner Knopf, der leuchtet, wenn wir bereit sind.
Bist du bereit?
Gut. Dann schnall dich bitte an — ganz sanft, der Gurt ist weich wie eine Umarmung. Und schau aus dem Fenster.
Draußen siehst du die Erde. Blau und grün, mit weißen Wolken, die sich langsam drehen. Sie sieht aus wie eine Murmel — die schönste Murmel im ganzen Universum.
Drei... zwei... eins.
Wir heben ab.
Wir sind jetzt im Weltraum.
Es ist hier sehr still. Nicht die Stille, die sich leer anfühlt — sondern die Stille, die sich ruhig anfühlt. Wie wenn alle aufgehört haben zu reden und nur noch zuhören.
Die Sterne sind hier viel heller als von der Erde aus. Millionen von kleinen Lichtern, in jede Richtung, so weit man schauen kann. Manche sind weiß. Manche sind leicht bläulich. Und einige — wenn man sehr genau hinschaut — haben einen ganz schwachen Rotton.
Jeder Stern ist eine Sonne. Wie unsere Sonne. Nur viel, viel weiter weg.
Wir fliegen jetzt an Mars vorbei — der rote Planet. Er hat die Farbe von trockenem Sand und rostigen Steinen. Auf Mars gibt es keine Luft zum Atmen, keinen Regen, kein Wasser. Aber er ist trotzdem schön, auf seine eigene, stille Art.
Danach kommt Jupiter — der größte Planet unseres Sonnensystems. Er ist so groß, dass über tausend Erden darin passen würden. Er hat Streifen aus orange und braun und beige, und einen riesigen roten Sturm, der schon seit Hunderten von Jahren dreht.
Aber wir fliegen weiter.
Denn unser Ziel liegt noch ein Stück weiter draußen.
Du kannst jetzt die Augen fast zumachen — wir haben noch ein bisschen Zeit. Das Raumschiff fliegt von alleine. Ich pass auf.
Und dann — siehst du ihn.
Saturn.
Er leuchtet in einem warmen Goldgelb, wie Butter in der Sonne. Um ihn herum liegen die Ringe — flach und weit, wie ein riesiger Hut aus Eis und Stein. Sie glitzern im Sonnenlicht.
Ich sehe ihn immer noch nicht ohne Staunen. Obwohl ich schon so oft hier war.
Weißt du, was die Ringe sind? Keine Ringe aus Metall, wie die an einem Finger. Sie bestehen aus Millionen und Abermillionen kleiner Eiskristalle und Steine — manche so klein wie ein Fingernagel, manche so groß wie ein Haus. Sie kreisen alle gemeinsam um Saturn, in einer großen flachen Scheibe.
Wenn das Licht der Sonne sie trifft, funkeln sie.
Unser Raumschiff fliegt jetzt ganz nah heran. Nicht zu nah — aber nah genug, dass wir die Ringe fast greifen könnten, wenn wir die Hand aus dem Fenster halten würden.
Ich mache das Licht im Raumschiff aus, damit du besser sehen kannst.
Da. Siehst du? Im Dunkeln funkeln die Ringe noch schöner. Das Eis wirft kleine Regenbögen ins Schwarze des Alls.
Saturn hat auch viele Monde. Dreiundachtzig Stück — das ist mehr als in den meisten Schulbüchern steht, weil immer wieder neue entdeckt werden. Der schönste Mond heißt Titan. Er ist größer als unser Mond, und er hat eine orangefarbene Atmosphäre aus dickem Dunst.
Wir bleiben eine Weile. Es gibt keinen Grund zur Eile.
Schau einfach.
Es wird Zeit, wieder nach Hause zu fliegen.
Ich drehe das Raumschiff langsam um. Saturn wird kleiner, seine Ringe werden dünner, bis er wieder wie ein kleiner leuchtender Fleck aussieht. Dann verschwindet er hinter uns im Dunkel.
Der Sternenwind fliegt ruhig durch die Stille.
Ich beobachte die Sterne, während du die Augen zumachst. Sie verändern sich nicht — sie sind heute Nacht genauso da wie gestern, wie vor hundert Jahren, wie vor tausend Jahren. Das finde ich beruhigend. Manche Dinge bleiben, egal was passiert.
Langsam wird die Erde wieder größer im Fenster. Blau. Grün. Weiß.
Dort ist dein Bett. Dein Zimmer. Deine Decke, die auf dich wartet.
Wir landen ganz sanft. Du merkst es fast nicht — nur ein leises Summen, dann Stille.
Heute Nacht hast du Saturn gesehen. Du weißt jetzt, wie seine Ringe aussehen, wenn das Sonnenlicht durch sie hindurchfällt. Das wissen nicht viele Menschen.
Schließ jetzt die Augen.
Vielleicht träumst du vom All. Von den Sternen. Von dem warmen Goldgelb des Ringplaneten.
Ich bin morgen Nacht wieder hier, wenn du möchtest.
Gute Nacht, kleiner Astronaut.
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