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Das Mädchen auf dem Ringplaneten
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Das Mädchen auf dem Ringplaneten

9:21 MinFür alle
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Peter

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Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.

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Die Geschichte zum Lesen

Lena war acht Jahre alt und schlief zum ersten Mal in einem Raumschiff.

Nicht einem echten — natürlich nicht. Es war das Raumschiff-Bett, das ihr Vater gebaut hatte: ein Hochbett mit Silberfolie an den Wänden, einer kleinen Luke aus Plexiglas oben, durch die man die Zimmerdecke sehen konnte, und einem Lautsprecher, der leise Weltraumgeräusche spielte — ein sanftes Rauschen, das nach unendlicher Weite klang.

Lena hatte es Rakete 7 genannt. Warum sieben? Weil sieben ihre Lieblingszahl war, und weil alle guten Raumschiffe eine Zahl brauchten.

Sie kroch durch die kleine Tür und zog die Decke über sich. Die Silberfolie reflektierte das Nachtlicht schwach — warm und goldreich, nicht kalt wie echte Folie.

Draußen, durch das Dachfenster des Hauses — das ihr Zimmer hatte tatsächlich ein kleines Dachfenster — waren Sterne zu sehen. Fünf oder sechs. Vielleicht sieben.

Lena schaute sie an.

Sie dachte an den Ringplaneten. Sie hatten ihn heute in der Schule besprochen — Saturn, mit seinen Ringen aus Eis und Staub, groß genug, dass die Erde darin verschwinden würde. Frau König hatte ein Bild gezeigt, das eine Raumsonde aufgenommen hatte: golden und riesig, mit Ringen so fein wie Papier.

Lena hatte sich gefragt, wie es wäre, dort zu stehen.

Nicht auf Saturn selbst — das ging nicht, Saturn hatte keinen festen Boden. Aber vielleicht auf einem der Monde. Titan. Oder Enceladus, der kleine mit dem Wasserdampf.

Sie schloss die Augen. Das Rauschen des Lautsprechers klang jetzt genau richtig.

Rakete 7, dachte sie, los geht's.

Im Traum flog Lena.

Nicht wie ein Vogel — Vögel flattern und kämpfen gegen den Wind. Lena schwebte. Das war ganz anders. Schwebend bewegte sich alles langsam, alles war leicht, und die Richtung war egal, weil es kein Oben und kein Unten gab.

Um sie herum: Dunkelheit, aber nicht die beängstigende Sorte. Die samtige Sorte. Das Schwarz des Weltalls war nicht wie das Schwarz unter dem Bett — es war weich und riesig und voller Punkte.

Lena breitete die Arme aus.

Sie bewegte sich. Langsam, sehr langsam, in eine Richtung, die sie nicht benennen konnte. Vorwärts, vielleicht. Oder nach oben. Oder beides gleichzeitig.

Nach einer Weile — Träume haben keine Uhr — sah sie es.

Golden. Riesig. Mit Ringen.

Saturn.

Er war größer als auf dem Bild in der Schule. Viel größer. Er füllte die Hälfte ihres Blickfelds aus — ein Planet wie eine Lampe, warm und rund, mit den Ringen, die so flach waren, dass sie fast unsichtbar wurden, wenn man schräg draufschaute, und dann plötzlich aufblitzten, wenn die Sonne sie traf.

Lena hielt inne.

Sie schwebte einfach und schaute.

Das war das Richtige, dachte sie. Manchmal musste man einfach stehen — oder schweben — und schauen.

Die Ringe drehten sich langsam. Oder nein: Sie drehten sich nicht wirklich, sie bewegten sich, jedes Eisstück auf seiner eigenen Bahn, aber zusammen sahen sie aus wie etwas, das sich dreht, wie ein Uhrwerk, das zu groß war, um seine Mechanik zu zeigen.

Lena schwebte näher.

Nicht auf Saturn zu — Saturn hatte keinen Boden, das wusste sie — sondern auf den kleinen weißen Mond, der links neben ihm hing. Klein und rund und weiß wie ein Ei.

Enceladus.

Sie war sich sicher, dass es Enceladus war, obwohl sie im Traum keine Schilder lesen konnte. Es fühlte sich richtig an. Manchmal weiß man Dinge im Traum, ohne zu wissen warum.

Sie sank langsam hinunter.

Der Boden war weiß — Eis, das glatte, alte Eis, das Millionen von Jahren kein Wasser mehr gesehen hatte. Trotzdem war es nicht kalt. Träume sind praktisch: In Träumen friert man nicht.

Lena landete.

Ihre Füße berührten den Boden ganz leise. Fast kein Geräusch. Sie spürte, wie der Boden leicht federte — nicht wie Eis, eher wie festgefrorener Schnee.

Sie stand auf dem Mond Enceladus und schaute auf Saturn.

Von hier aus war er noch größer. Die Ringe streckten sich nach beiden Seiten wie ein Horizont aus Gold und Silber. Der Planet selbst leuchtete — von innen, fast, obwohl das physikalisch nicht stimmte, aber es sah so aus.

Lena atmete.

In Wirklichkeit hätte sie das nicht gekonnt — Enceladus hat keine Atmosphäre. Aber im Traum atmete sie einfach, weil Luft da war, weil Träume das ermöglichen, und weil man manche Dinge einfach braucht, auch wenn sie nicht möglich sind.

Sie setzte sich hin.

Auf den Mond, mit gekreuzten Beinen, und schaute auf Saturn.

Die Ringe bewegten sich.

Lena schaute zu, wie die Eisstücke langsam an ihr vorbeizogen — nein, nicht an ihr, sie saß still, aber die Ringe zogen trotzdem vorbei, jedes Stück auf seinem eigenen Weg um den Planeten, in einem ewigen, langsamen Tanz.

Sie dachte: Wie lange machen die das schon?

Hunderte Millionen von Jahren, hatte Frau König gesagt. Vielleicht mehr. Die Ringe waren so alt, dass die Dinosaurier noch gar nicht existiert hatten, als sie entstanden. Und sie würden noch existieren, wenn die Menschheit schon lange weg war.

Das war ein seltsamer Gedanke. Nicht traurig — nur groß.

Lena war gut mit großen Gedanken. Sie schlief dann besser, nicht schlechter. Wenn man weiß, wie groß alles ist, wird man klein genug, um schlafen zu können.

Ein Eisstück zog besonders langsam vorbei — oder es schien so, weil es größer war als die anderen. Ungefähr so groß wie ein Auto. Es war nicht ganz rund, sondern ein bisschen verbeult, ein bisschen unregelmäßig, mit einer Seite, die im Sonnenlicht besonders hell schimmerte.

Lena winkte ihm zu.

Das war albern. Sie wusste es. Aber manchmal musste man albern sein, auch auf Monden.

Das Eisstück zog weiter.

Lena lehnte sich zurück — auf dem Mond, auf dem Eis, das nicht kalt war, unter den Ringen, die sich drehten — und schaute in den Himmel. Darin: Sterne, mehr als von der Erde aus, weil hier keine Luft war, die sie verwischte.

Jeder Stern war scharf.

Jeder Stern war klar.

Lena blinzelte.

Irgendwann — und im Traum weiß man nicht wann — begann Lena zu sinken.

Nicht nach unten. Zurück. Rückwärts durch die Weite, weg von Enceladus und Saturn und den Ringen, zurück durch das samtige Schwarz, vorbei an den Sternen, die schärfer wurden und dann wieder weicher, zurück durch die Wolkenschicht der Erde, über die Dächer, durch das Dachfenster.

In Rakete 7.

Sie spürte die Decke. Die Silberfolie war immer noch da. Das Rauschen war immer noch da — leise, stetig, wie ein sehr ruhiger Motor weit weg.

Lena öffnete die Augen halb.

Sterne. Fünf oder sechs durch das Dachfenster. Vielleicht sieben.

Sie dachte an das Eisstück, dem sie gewunken hatte. Sie dachte daran, wie Saturn aussah von unten, von einem Mond aus betrachtet — wie er so groß war, dass er den halben Himmel füllte.

Sie dachte: Eines Tages will ich das wirklich sehen.

Nicht heute Nacht. Heute Nacht war Rakete 7 genug. Rakete 7 war ein gutes Raumschiff. Es landete immer sanft. Es hatte eine Decke, die warm genug war. Es hatte einen Lautsprecher, der das Rauschen des Weltalls kannte.

Lena zog die Decke höher.

Sie schloss die Augen.

Draußen drehten sich die Ringe des Saturns weiter — langsam, ohne Eile, wie sie es seit Hunderten von Millionen Jahren getan hatten. Und Lena schlief, eingeschlossen in der kleinen Wärme ihres Bettes, sehr weit weg und gleichzeitig genau dort, wo sie sein sollte.

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