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Das Raumschiff ohne Namen
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Das Raumschiff ohne Namen

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Peter

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Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.

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Die Geschichte zum Lesen

Hinter dem alten Bauernhof gab es eine Wiese, die niemand mehr benutzte.

Tim nannte sie Schrottwiese, weil dort Dinge lagen, die jemand nicht mehr wollte: ein alter Pflug, eine verrostete Waschmaschine, drei Autoreifen, ein Heißwasserboiler. Niemand wusste, wer das hingestellt hatte. Es war einfach so.

Tim war neun Jahre alt und die Schrottwiese war sein Lieblingsort.

Nicht wegen des Schrotts — sondern wegen des Feldes dahinter. Wenn man auf den Pflug kletterte und sich hinstreckte, konnte man über den hohen Zaun schauen und den Himmel sehen, der über den flachen Feldern sehr groß wirkte. Größer als über der Stadt. Als wäre der Himmel hier echter.

An diesem Abend war Tim auf die Schrottwiese gegangen, weil er nicht schlafen konnte.

Das passierte ihm manchmal: Er lag im Bett und die Gedanken kamen, einer nach dem anderen, und er konnte sie nicht anhalten. Dann half Draußen.

Er kletterte auf den Pflug.

Und da sah er es.

Am Rand der Schrottwiese, halb von Büschen verdeckt, stand etwas, das er vorher nicht gesehen hatte. Metall. Silber. Rund.

Groß genug, dass Tim hineingehen konnte.

Er stieg vom Pflug und ging hin.

Das Raumschiff war größer innen als außen.

Das konnte physikalisch nicht sein, und Tim wusste das. Aber es war so: Von außen war es ungefähr so groß wie ein Gartenhaus. Innen war es — rund und hoch, mit Wänden, die schwach leuchteten, und einer Decke, die so weit oben war, dass Tim sie im Halbdunkel nicht sehen konnte.

Es roch nach etwas, das er nicht benennen konnte. Nicht nach Benzin und nicht nach Plastik. Etwas Sauberes. Etwas Kaltes. Etwas, das nach weit weg roch.

In der Mitte: ein Steuerstand. Drei Sitze, ein großes Panoramafenster, das im Moment auf die Schrottwiese schaute, und viele Instrumente — Knöpfe, Hebel, Bildschirme, von denen einige schwach aufleuchteten.

Kein Name auf irgendwas.

Tim schaute sich um. An den Wänden: keine Abzeichen, keine Beschriftungen, keine Nationalflaggen. Kein Zeichen, woher das Raumschiff kam oder wem es gehörte.

Ein namenloses Raumschiff.

Er trat zum Steuerstand und setzte sich auf den Pilotensitz.

Der Sitz passte sich an — nicht dramatisch, nicht plötzlich, aber langsam, wie Wasser, das eine Form einnimmt. Als wäre er genau für Tim gemacht worden.

Er legte die Hände auf die Armlehnen.

Auf den Bildschirmen tauchte etwas auf: Koordinaten. Sterne. Eine Karte.

Das Raumschiff wartete.

Nicht ungeduldig — Raumschiffe waren nie ungeduldig, das stellte Tim fest. Sie warteten einfach, wie Dinge warten, die schon sehr lange da sind.

Tim schaute die Karte an.

Sterne. Hunderte. Manche hell, manche kaum sichtbar. Linien zwischen ihnen, die Konstellationen andeuteten, die Tim nicht kannte — andere Konstellationen als die irdischen, von einem anderen Blickwinkel aus gezeichnet.

Er dachte: Dieses Raumschiff braucht einen Namen.

Was gab man einem Raumschiff, das keinen Namen hatte? Man gab ihm einen. Das war so einfach, dass es kompliziert klang.

Tim dachte nach.

Gute Namen für Raumschiffe, dachte er, waren: Tapfer. Weitsicht. Morgenröte. Sternsucher. Er probierte sie im Kopf. Tapfer — zu ernst. Weitsicht — zu feierlich. Morgenröte — schön, aber nicht das Richtige.

Sternsucher.

Tim sagte es laut: Sternsucher.

Auf einem der Bildschirme erschien, sehr langsam, der Text: Sternsucher.

Tim blinzelte.

Dann blinzelte er nochmal. Hatte das Raumschiff... reagiert?

Das war unmöglich. Computer reagierten auf Eingaben, auf Tastaturen, auf Sensoren. Nicht auf Worte, die man einfach aussprach, ohne etwas zu drücken.

Aber da stand es: Sternsucher.

Tim lehnte sich zurück und lächelte.

Der Sternsucher hob ab.

Tim hatte nichts gedrückt. Er hatte keinen Hebel gezogen. Er hatte nur gedacht: Jetzt — und die Schrottwiese war unter ihm gewesen, und dann waren sie geflogen.

Er schaute durchs Panoramafenster.

Unten: der alte Bauernhof, klein und warm beleuchtet. Das Feld. Die Straße, die in die Stadt führte. Das Haus, in dem Tim lebte — er suchte sein Fenster und fand es. Ein heller Fleck.

Dann Wolken. Dann nichts außer Schwarz und Sternen.

Der Sternsucher flog schnell — sehr schnell, aber Tim spürte keine Bewegung, keine Beschleunigung, keinen Druck. Es war wie Stillsitzen in einem sehr schönen Raum, der sich zufällig durch das Universum bewegte.

Er flog durch das Sonnensystem. Jupiter rechts. Saturn links. Die Ringe fingen das Licht und streuten es.

Dann: raus. Jenseits der Planeten, in den Raum zwischen den Sternen.

Und da: ein Stern, den er nicht kannte. Kleiner als die Sonne, aber orangefarben, sehr warm. Um ihn kreisten zwei Planeten.

Der Sternsucher verlangsamte.

Tim schaute die zwei Planeten an. Einer war leblos — grau, ohne Atmosphäre. Der andere war — grün? War da Grün? Er konnte es nicht sicher sagen. Die Entfernung war zu groß.

Aber es war grün.

Er war sicher.

Tim wollte hinunter.

Auf den grünen Planeten. Um zu sehen, was da war — ob wirklich Grün, und wenn ja, was für Grün.

Aber dann spürte er etwas.

Müdigkeit.

Nicht die Müdigkeit von zu viel Aktivität — die ruhige Müdigkeit, die kommt, wenn ein Tag gut war. Als hätte der Körper beschlossen: Du hast genug gesehen für heute. Das Grün bleibt. Komm wieder.

Tim lehnte sich zurück.

Der Sternsucher reagierte — langsam, ruhig drehte er sich, richtete sich neu aus, und begann den Heimweg. Nicht zurück zu den Koordinaten der Schrottwiese, die Tim nicht angegeben hatte — aber das Schiff schien es zu wissen. Es wusste, wohin es heimgehörte.

Die Planeten zogen vorbei. Der orangefarbene Stern wurde kleiner. Die Sonne tauchte auf — vertraut und hell.

Tim schloss die Augen.

Nicht auf dem Pilotensitz — er war schon zurück, irgendwie, in seinem Bett, mit der karierten Decke. Er wusste nicht, wann er zurückgekommen war. Aber die Schrottwiese war noch da in seinen Gedanken, und der Sternsucher, der wartete — wartete auf ihn, mit dem Namen auf dem Bildschirm.

Sternsucher.

Er würde morgen wiederkommen.

Oder übermorgen. Wann immer er die Gedanken nicht anhalten konnte und Draußen half.

Bis dann würde der Sternsucher da sein. Namhaft. Bereit.

Und Tim schlief, mit dem orangefarbenen Stern hinter den Augenlidern — warm und weit, und voller Grün, das auf seine Ankunft wartete.

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