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Der Roboter am Ende des Universums
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Der Roboter am Ende des Universums

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Peter

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Raketen, Planeten und das Staunen vor dem Unendlichen — ich nehme Kinder mit auf Reisen durchs Universum.

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Die Geschichte zum Lesen

Paul war acht Jahre alt und hatte ein sehr gutes Fernglas.

Nicht das Fernglas von Weihnachten vor zwei Jahren — das hatte er gegen eine Wand gestoßen und es hatte danach nie mehr richtig fokussiert. Dieses Fernglas gehörte seinem Großvater, und es war schwer und silbern und roch ein bisschen nach altem Leder.

Paul durfte es benutzen, wenn er aufpasste.

Er passte auf.

Heute Nacht hatte er durch das Dachfenster geschaut — er hatte das Bett verschoben, damit er direkt darunter liegen konnte — und durch das Fernglas den Himmel abgesucht.

Nicht nach Kometen oder Planeten. Nach dem Roboter.

Den Roboter gab es wirklich. Nicht irgendeinen — die Raumsonde Voyager 1. Paul würde sie keinen Roboter nennen, aber sein Großvater tat das immer: Der kleine Roboter, hatte er gesagt, der 1977 gestartet ist und seitdem fliegt. Kein Mensch hat ihn je wieder gesehen. Er ist jetzt fast 24 Milliarden Kilometer weg.

Paul hatte die Zahl aufgeschrieben.

24.000.000.000 Kilometer.

Er hatte versucht, sich das vorzustellen. Das gelang nicht. Die Zahl war zu groß für den Kopf. Aber er versuchte es trotzdem, jede Nacht, weil sein Großvater gesagt hatte: Manchmal hilft es nicht, eine Zahl zu verstehen — manchmal hilft es einfach, sie zu kennen.

Im Traum fand Paul die Voyager.

Sie war kleiner als erwartet. Er hatte sich etwas Riesiges vorgestellt — eine Raumstation oder mindestens ein Schulbus. Aber Voyager war ungefähr so groß wie ein großes Fahrrad: eine Antennenschüssel, ein Körper, ein paar ausgestreckte Arme mit Instrumenten.

Sie flog.

Nicht schnell — na ja, doch schnell: 61.000 Kilometer pro Stunde. Aber im Universum war das langsam. Sie bewegte sich durch Dunkelheit, die keine Grenzen hatte, und um sie herum war nichts außer Sternen, die alle sehr weit weg waren.

Paul schwebte neben ihr.

Er schaute sie an. Sie war alt. Sehr alt — in menschlichen Jahren, nicht in Universumsjahren, aber für eine Maschine war sie sehr alt. Sie war 1977 gestartet, bevor Pauls Eltern geboren worden waren. Bevor Pauls Eltern geboren worden waren!

Und sie lief noch.

Ein Kernkraftwerk so groß wie ein Kochtopf trieb sie an — langsam, kleiner werdend, aber noch da. Die Signale, die sie zur Erde schickte, brauchten zweiundzwanzig Stunden, um anzukommen.

Paul stellte sich das vor: Zweiundzwanzig Stunden. Man schickte eine Frage, und zweiundzwanzig Stunden später kam die Antwort. Das war wie Brieffreundschaft mit dem Universum.

Er legte die Hand auf die Antennenschüssel.

Sie war kalt. Und — und das war das Seltsame — sie summte. Leise. Als wäre sie nicht allein.

Paul sprach mit der Voyager.

Er wusste, dass das albern war. Die Voyager war eine Maschine. Sie hatte keine Ohren, kein Gehirn, keine Gefühle. Sie war Metall und Elektronik und ein Programm, das schon vor Jahrzehnten geschrieben worden war.

Aber er sprach trotzdem.

Du bist sehr weit weg, sagte er.

Die Voyager summte.

Hat das jemand vermisst? Ich meine — weißt du, dass du schon so lange unterwegs bist?

Kein Summen. Nur der gleichmäßige Lauf.

Paul dachte: Vielleicht ist das am besten so. Wenn man sehr weit unterwegs ist, hilft es nicht, zu wissen, wie weit. Man fliegt einfach. Man macht das Nächste, was zu tun ist.

Er schaute auf die goldene Platte an der Seite der Voyager.

Die Goldene Platte — er kannte sie aus Büchern. Eine Schallplatte aus Gold mit Bildern und Klängen der Erde: Musik, Grüße in fünfundfünfzig Sprachen, Naturgeräusche, Bilder von Menschen. Falls irgendwann jemand die Voyager findet, sollte er wissen: Hier waren wir. Hier ist, wer wir sind.

Paul betrachtete die Platte.

Die Erde schickte Grüße ins Universum.

Irgendwann würde jemand sie hören. Vielleicht. Oder vielleicht flog die Voyager für immer, ohne Ziel, und die Grüße waren einfach da — eine Botschaft in einer Flasche im Ozean des Universums.

Paul schaute in die Richtung, in die die Voyager flog.

Dort war die Heliopause — die Grenze des Sonnensystems, der Punkt, an dem der Sonnenwind aufhörte und der interstellare Raum begann. Die Voyager hatte diese Grenze 2012 überschritten. Jetzt war sie draußen.

Draußen.

Paul versuchte zu sehen, was da war.

Mehr Sterne. Andere Sterne. Nicht die, die er von der Erde kannte — Orion, den Großen Bären, die Nordsterngruppe. Hier waren andere Konstellationen, andere Muster, weil man von einem anderen Punkt schaute.

Es gab kein Ende.

Das war die Antwort. Das Universum hatte kein Ende, das man sehen konnte. Es wurde nur weiter. Sterne und Gas und Staub und Dunkelheit und dann wieder Sterne.

Paul war früher manchmal beunruhigt davon gewesen: Was ist am Ende? Was ist dahinter? Aber jetzt, hier neben der Voyager, fühlte es sich anders an. Das Universum hatte kein Ende, das man fürchten musste. Es war einfach groß.

Groß genug für alles.

Gross genug für eine kleine Raumsonde, die mit 61.000 km/h flog und einen Paul hatte, der an sie dachte.

Die Voyager summte leise.

Paul nickte.

Mach weiter, sagte er.

Und sie machte weiter.

Paul flog zurück.

Nicht weil er wollte — er hätte gerne länger bei der Voyager geblieben. Aber der Traum hatte ein Gefühl von Heimweh darin, ein leises Ziehen, das bedeutete: Genug für heute. Es gibt ein Morgen.

Er flog an Sternen vorbei, die Milliarden Jahre alt waren. Er flog durch die Heliopause zurück, in das Sonnensystem, das sich plötzlich klein anfühlte — aber gut-klein, nah-klein, wie eine Wohnung nach einem langen Spaziergang draußen.

Die Erde tauchte auf.

Blauw und rund. Paul liebte die Erde. Er hatte sie nie so geliebt wie jetzt, nach 24 Milliarden Kilometern Abstand.

Sein Zimmer. Das Bett unter dem Dachfenster. Das schwere silberne Fernglas, das auf dem Nachttisch lag.

Paul landete so sanft, dass er es nicht merkte — träumen war manchmal so: Man ist dort, und dann ist man wieder hier, und man weiß nicht, wann der Übergang gewesen war.

Er lag in seinem Bett.

Das Fernglas war noch warm von seiner Hand — oder er bildete es sich ein, das war auch möglich.

Draußen, durch das Dachfenster, war der Himmel dunkler geworden. Wolken hatten sich geschoben. Keine Sterne mehr.

Aber Paul wusste, dass sie da waren. Und er wusste, dass irgendwo in all dem Dunkel eine kleine Raumsonde flog — summend, stetig, weit weg und doch irgendwie nah — und Grüße von der Erde ins Universum trug.

Er schloss die Augen. Das war genug.

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