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Die Zahl Sechs — Das Haus mit den sechs Türen
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Die Zahl Sechs — Das Haus mit den sechs Türen

10 Min4–6 Jahre

Ein magisches Haus am Ende der Straße hat sechs bunte Türen. Jede führt in eine andere Welt. Tom darf wählen — aber er darf nur durch eine.

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Die Geschichte zum Lesen

Das Haus am Ende der Straße hatte sechs Türen.

Tom hatte es schon immer gewusst, aber es war das erste Mal, dass er wirklich hinsah.

Das Haus war nicht groß. Nicht besonders schön — normales Ziegelstein, normales Dach, ein normaler Garten. Aber es hatte eben sechs Türen, alle in einer Reihe, alle unterschiedlich farbig, alle gleichmäßig groß. Rot. Orange. Gelb. Grün. Blau. Lila.

Alle Farben des Regenbogens, dachte Tom. Fast. Sechs von sieben.

Vor dem Haus stand ein alter Mann, der auf einer Bank saß und Zeitung las, als wäre es das Normalste der Welt, vor einem Haus mit sechs Türen zu sitzen.

Was ist hinter den Türen?, fragte Tom.

Der alte Mann faltete die Zeitung. Er schaute Tom an. Dann stand er auf und öffnete die rote Tür.

Dahinter war ein Wald. Ein richtiger Wald, warm und dicht, mit Moos und Birken und dem Geräusch von Wasser irgendwo weit weg. Der Wind roch nach Harz und Erde.

Der alte Mann schloss die Tür wieder.

Dann öffnete er die orangefarbene Tür. Dahinter war ein Strand. Sand, so hell, dass man die Augen zusammenkneifen musste. Wellen, die ganz flach und warm ans Ufer liefen.

Er schloss sie. Öffnete Gelb: eine Wiese, endlos weit, mit Sonnenblumen bis zum Horizont. Öffnete Grün: ein Garten, wie man ihn aus alten Bilderbüchern kennt, mit Gemüsebeeten und Bienenstöcken und einem alten Brunnen. Öffnete Blau: eine Winterlandschaft, still und weiß und klar, der Atem sichtbar in der Luft. Öffnete Lila: Nacht, mit mehr Sternen als Tom je gesehen hatte, ein samtener Himmel, der leise summte.

Sechs Türen, sagte der alte Mann. Sechs Welten. Du darfst durch eine. Nur eine.

Tom schaute alle Türen an. Er wollte alle sehen. Den Wald und den Strand und die Wiese und den Garten und den Winter und die Sternennacht.

Warum nur eine?, fragte Tom.

Der alte Mann lächelte. Weil man im Leben immer wählen muss, sagte er. Es gibt immer sechs Möglichkeiten. Oder mehr. Aber du gehst immer durch eine Tür. Das macht das Gehen bedeutsam.

Tom stand lange vor den sechs Türen. Er dachte nach.

Er dachte an den Wald, weil er Wälder mochte. Aber der Strand war auch schön. Und die Wiese. Und der Garten — der Garten erinnerte ihn an Oma.

Oma.

Tom öffnete die grüne Tür.

Er trat in den Garten. Die Luft roch nach Minze und Rosen und warmem Kompost. Irgendwo summten Bienen. Der Brunnen stand in der Mitte, und dahinter — auf einer alten Holzbank — saß... niemand. Aber auf der Bank lag ein frisch gepflückter Apfel.

Tom nahm ihn. Er war warm vom Sonnenlicht.

Er wusste: Der Garten war die richtige Wahl. Nicht weil er am schönsten war. Sondern weil er ihm am nächsten war.

Tom aß den Apfel, setzte sich auf die Bank und schaute in den Garten.

Sechs Türen, dachte er. Sechs ist eine gute Zahl. Genug Auswahl, um wirklich zu wählen. Nicht so viele, dass man sich verliert.

Dann, ohne es zu merken, schloss er die Augen.

Als er aufwachte, lag er in seinem eigenen Bett. Der Geschmack von Apfel war noch auf seiner Zunge.

Er zählte bis sechs. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Lila.

Grün war richtig. Grün war seins.

Gute Nacht, Tom. Gute Nacht, du Wähler. Die Zahl Sechs hält alle Türen offen — du musst nur wissen, welche du nimmst.

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