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Bella und der Traumstein
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Bella und der Traumstein

10 Min4–6 Jahre

Prinzessin Bella findet einen leuchtenden Stein auf dem Boden ihres Turmzimmers — und entdeckt, dass darin eine Traumfee und ganze Welten aus ungeträumten Träumen warten.

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Die Geschichte zum Lesen

In einem Schloss am Rande eines alten Waldes lebte eine Prinzessin namens Bella.

Bellas Schloss war nicht das größte. Es hatte keine goldenen Türme und keinen Burggraben voller Krokodile. Aber es hatte einen Garten voller Rosenhecken, eine Wendeltreppe aus glattem Stein, und ein Fenster ganz oben im Turm, von dem aus man so weit sehen konnte, dass die Welt am Horizont ein bisschen rund aussah.

Eines Abends zählte Bella gerade Sterne durch ihr Turmfenster, als ihr Blick auf etwas auf dem Boden fiel. Ein Stein. Kein gewöhnlicher Stein. Er war so groß wie ihre Faust, glatt wie poliertes Holz — und er leuchtete in einem weichen Blau, das sich veränderte, wenn man ihn bewegte. Manchmal Blau. Manchmal Lila. Manchmal ein ganz helles, warmes Grün.

Bella hob ihn auf. Er war warm. So wie eine Tasse Tee, die gerade die richtige Temperatur hat.

Sie setzte sich auf ihr Bett und hielt den Stein in beiden Händen. Und dann — ganz langsam — begann etwas in ihm zu erscheinen. Keine scharfen Bilder. Mehr wie Schatten, die sich bewegten. Sie sah ein Feld voller Mondblumen, die nur nachts aufgingen. Sie sah einen Fluss, der rückwärts floss. Zwischen den Bäumen eines leuchtenden Waldes tanzte eine kleine Gestalt mit Schmetterlingsflügeln. Die Gestalt blieb stehen. Und schaute zurück.

In dieser Nacht träumte Bella zum ersten Mal von dem leuchtenden Wald.

Der Wald war anders als alle Wälder, die Bella kannte. Die Bäume leuchteten von innen, als ob jedes Blatt eine kleine Kerze verborgen hielt. Der Boden war mit silbernem Moos bedeckt, so weich, dass jeder Schritt lautlos war. Und überall in der Luft schwebten kleine Lichter — wie Glühwürmchen, aber viel langsamer, viel ruhiger.

Mitten auf einer Lichtung stand das Wesen, das Bella schon im Stein gesehen hatte. Es war größer als erwartet, mit runden Wangen und Augen wie zwei glänzende Bernsteine. Auf dem Rücken hatte es Flügel aus gefaltetem Mondlicht, und auf dem Kopf einen winzigen Kranz aus getrockneten Sternblumen.

Ich bin Lumi, sagte es und machte einen kleinen Knicks. Ich bin eine Traumfee. Ich sammle schöne Träume — die, die noch niemandem gehört haben. Träume, die in der Nacht entstehen, wenn Menschen schlafen, und die dann herumwandern, weil niemand sie aufgefangen hat.

Und was machst du damit?, fragte Bella.

Ich bewahre sie auf, sagte Lumi. In Steinen wie diesem. Und manchmal, wenn jemand einen besonders schönen Traum braucht — jemand, der traurig ist, oder Angst hat, oder einfach nicht schlafen kann — dann gebe ich ihm einen solchen Stein. Und der Traum findet seinen Weg.

Sie gingen zusammen durch den leuchtenden Wald. Lumi zeigte Bella Träume, die sie gespeichert hatte: einen Traum, in dem jemand fliegen konnte — nicht schnell, sondern langsam, wie ein Blatt im Wind. Einen Traum von einer Bibliothek, in der alle Bücher leise miteinander sprachen. Einen Traum von einem roten Boot auf einem stillen See, in dem man einfach lag und die Wolken zog.

Bella blieb bei einem Traum stehen. In ihm war eine Wiese — ein ganz gewöhnliches Stück Gras — und darauf saß jemand, den Bella erkannte. Ihre Mutter. Jünger als Bella sie kannte. Lachend. Mit einer Blumenkette in den Händen.

Das ist ein alter Traum, sagte Lumi leise. Er hat lange gewartet.

Am Ende des Waldes blieben sie stehen. Du darfst den Stein behalten, sagte Lumi. Aber nur für die Nächte, in denen du ihn wirklich brauchst. Dann leuchtet er — und bringt dir einen Traum, der zu dir gehört.

Als Bella aufwachte, lag der Traumstein auf ihrem Fensterbrett. Er leuchtete nicht mehr — er war ein normaler Stein, glatt und still. Aber wenn Bella ihn in die Hand nahm, war er noch warm. Ein kleines, stilles Leuchten — ganz tief drinnen.

Bella legte ihn vorsichtig zurück auf das Fensterbrett. Dann kroch sie unter ihre Decke und schloss die Augen.

Draußen zogen die Sterne über den Himmel. Und irgendwo im leuchtenden Wald sammelte Lumi weiter schöne Träume und wartete, bis jemand sie brauchte.

Gute Nacht, Bella. Gute Nacht.

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