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Die Zahl Sieben — Sieben Farben für den Regenbogen
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Die Zahl Sieben — Sieben Farben für den Regenbogen

10 Min4–6 Jahre

Der Regenbogen hat seine Farben verloren. Klara sammelt sie ein — eine nach der anderen. Sieben Farben, sieben Geschichten, ein Bogen.

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Die Geschichte zum Lesen

Klara bemerkte es nach dem Regen: Der Regenbogen war falsch.

Nicht falsch wie verbogen oder schief. Er stand da, groß und bogenförmig, ganz korrekt über dem Tal. Aber er war grau. Nur grau, ein einziger blasser Bogen am Himmel, ohne eine einzige Farbe.

Das ist kaputt, sagte Klara.

Sie wusste, was ein Regenbogen haben musste: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Sieben Farben. Sieben — das hatte ihr die Lehrerin beigebracht, und sie hatte es sich gemerkt, weil sie sich Dinge merkte, die ihr wichtig waren.

Wo sind die sieben Farben des Regenbogens?, fragte sie in die Luft.

Eine kleine Stimme antwortete — aus dem Regenbogen selbst, der gar nicht weit weg war, eigentlich direkt über dem nächsten Hügel. Verloren, sagte die Stimme. Beim letzten Sturm davongeflogen. Verstreut. Irgendwo da draußen.

Klara setzte sich ihr Regenmantel an und machte sich auf den Weg.

Die erste Farbe fand sie unter einem Rosenstrauch: Ein kleines leuchtendes Rot, warm wie eine Erdbeere, das summte, wenn man es anfasste. Sie hielt es vorsichtig in der hohlen Hand.

Die zweite Farbe hing zwischen zwei Bäumen wie ein Sonnenstrahl: Orange, fröhlich und rund, das ein bisschen wackelte, als wäre es kitzelig.

Gelb fand sie auf einer Wiese, wo es zwischen den Löwenzahnblüten lag und erst sehr schwer zu erkennen war, weil alles dort gelb war. Aber dann sah Klara, dass eine Blüte ein bisschen heller leuchtete als die anderen — und hob sie auf.

Grün — das war das schwerste zu finden. Grün war in einem Baum, mitten zwischen den Blättern, und wollte nicht so einfach. Es mochte seinen Platz. Klara musste dreimal rufen, bevor es herabsegelte wie ein Blatt, nur ein bisschen leuchtender.

Blau kam aus einem Teich. Es schwamm oben auf dem Wasser wie Seifenblasen, und Klara schöpfte es mit beiden Händen heraus.

Indigo — fast wie Blau, aber dunkler, tiefer — saß in einem Riss in einem alten Mauer und war schüchtern. Klara musste sich sehr still verhalten und warten, bis es von selbst herauskam.

Violett war das letzte. Violett war ganz oben, fast so hoch, dass Klara es nicht erreichen konnte — auf der Spitze eines Hügels, in dem letzten Licht des Abends. Klara kletterte. Ihre Knie wurden dreckig. Einmal rutschte sie. Aber beim zweiten Versuch erreichte sie die Spitze und streckte die Hand aus.

Violett landete auf ihrer Handfläche wie ein Schmetterlingsflügel.

Klara lief zurück zum Regenbogen. Sie legte alle sieben Farben an ihren richtigen Platz — Rot ganz außen, dann Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, und ganz innen Violett.

Der Regenbogen leuchtete auf. Zuerst zögerlich, dann voll, dann strahlend — sieben Farben, alle zusammen, alle richtig, alle schön.

Die kleine Stimme sagte: Danke. Und klang dabei sehr erleichtert.

Klara stand unter dem Regenbogen und schaute hinauf. Sieben Farben. Eine davon fehlte, und der Regenbogen war kaputt. Alle sieben, und er war vollständig.

Das ist wie in der Klasse, dachte Klara. Wenn einer fehlt, fehlt etwas. Wenn alle da sind, ist es vollständig.

Sie zählte noch einmal: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Rot bis Violett.

Sieben. Vollständig.

Dann machte sie sich auf den Heimweg. Der Regenbogen leuchtete ihr nach.

Zu Hause zählte sie an ihren Fingern — Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett — bis sie beim siebten Finger angelangt war. Dann lehnte sie den Kopf ans Kissen.

Sieben ist genau richtig, dachte sie. Nicht zu wenig. Nicht zu viel. Eine Zahl, bei der alles vollständig ist.

Gute Nacht, Klara. Gute Nacht, Regenbogen. Die Zahl Sieben hält alle Farben zusammen.

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