
Die Güte des Propheten
Nadia hat Streit mit ihrer besten Freundin. Baba erzählt ihr Geschichten vom Propheten Muhammad — einem Mann, der selbst zu seinen Feinden freundlich war. Und erklärt, warum echte Stärke keine Rache braucht.

Iman
Ich erzähle Geschichten aus dem Islam — ruhig, liebevoll und vollständig halal. Für kleine Ohren und neugierige Herzen.
Die Geschichte zum Lesen
Nadia kam mit rotem Gesicht nach Hause.
Baba wartete schon. Er sah sofort, dass etwas nicht stimmte.
Was ist passiert?, fragte er.
Sara hat mein Bild zerrissen, sagte Nadia. Das, das ich so lange gemalt habe. Sie hat gesagt, es ist hässlich. Und dann haben wir gestritten. Und jetzt bin ich wütend und will ihre Freundin nicht mehr sein.
Baba nickte langsam. Das klingt, als wäre das sehr wehgetan.
Ja, sagte Nadia. Und ich möchte ihr morgen genau dasselbe tun.
Hm, sagte Baba. Er stand auf und nahm Nadias Hand. Komm, leg dich hin. Ich erzähle dir von jemandem, der viel, viel mehr Grund zur Rache hatte als du. Und der trotzdem etwas anderes gewählt hat.
Der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, war der freundlichste Mensch, der je gelebt hat, begann Baba.
Nadia schaute skeptisch. Freundlicher als alle anderen?
Die Menschen um ihn herum haben das gesagt. Seine Frau Aisha wurde einmal gefragt, wie er war — und sie sagte: Sein Charakter war der Quran. Das bedeutet: alles, was Allah als gut beschreibt — Geduld, Mitgefühl, Großzügigkeit, Sanftheit — das alles war er.
Aber er hatte Feinde?
Viele, sagte Baba. Am Anfang, als er in Mekka die Botschaft brachte, wollten viele Menschen das nicht hören. Sie beleidigten ihn. Sie lachten ihn aus. Sie warfen Schmutz auf ihn, wenn er betete. Manche wollten ihm sogar wehtun.
Nadia runzelte die Stirn. Und was hat er gemacht?
Das ist das Erstaunliche, sagte Baba. Ich erzähle dir von einer Frau — einer Nachbarin — die immer Müll auf seinen Weg warf. Jeden Tag, wenn der Prophet vorbeikam: Müll. Auf den Weg. Absichtlich.
Jeden Morgen, erzählte Baba, ging der Prophet an ihrem Haus vorbei. Und jeden Morgen warf sie Müll auf seinen Weg.
Nadia konnte sich das vorstellen. Das wäre ihr auch nicht egal gewesen.
Was hat er getan?, fragte sie.
Er hat es ignoriert, sagte Baba. Er hat den Müll umgangen. Hat weitergemacht. Nicht wütend, nicht bitter. Er hat es einfach getragen.
Bis er eines Tages — kein Müll da war.
Die Frau war krank geworden. Sie lag im Bett und konnte nicht aufstehen.
Und der Prophet — weißt du, was er getan hat?
Nadia schüttelte den Kopf.
Er hat sie besucht. Er hat an ihre Tür geklopft und gefragt, ob er helfen kann. Er hat sie nach ihrer Gesundheit gefragt. Er hat sich um sie gesorgt — obwohl sie jeden Tag Müll auf seinen Weg geworfen hatte.
Nadia war still.
Sie wurde sehr überrascht, oder?, sagte sie schließlich.
Sehr, sagte Baba. So überrascht, dass ihr Herz sich verändert hat.
Aber das ist noch nicht das stärkste Beispiel, sagte Baba.
Du kennst vielleicht die Stadt Taif, fuhr er fort. Der Prophet reiste dorthin, um den Menschen die Botschaft Allahs zu bringen. Aber die Menschen von Taif wollten nicht zuhören. Sie verjagten ihn. Sie riefen die Kinder der Stadt und gaben ihnen Steine — damit sie den Propheten bewerfen sollten.
Nadia keuchte.
Die Kinder haben Steine geworfen?
Ja. Er blutete. Seine Schuhe wurden rot. Er musste fliehen. Er war verletzt, erschöpft, allein.
Nadia stellte sich das vor und hatte Tränen in den Augen.
Dann kam ein Engel zu ihm, erzählte Baba. Der Engel, der für die Berge zuständig ist. Und der Engel sagte: Sprich das Wort, und ich werde die Berge über diese Stadt zusammenschlagen.
Und weißt du, was der Prophet sagte?
Nadia schüttelte den Kopf.
Er sagte: Nein. Tue ihnen nichts. Vielleicht kommen ihre Kinder eines Tages zum Islam. Vielleicht werden ihre Enkel gläubig sein. Gib ihnen Zeit.
Baba schwieg einen Moment.
Das, sagte er leise, ist die größte Güte, die ich kenne.
Nadia war sehr still.
Baba, sagte sie nach einer Weile. War er nicht auch manchmal wütend?
Doch, sagte Baba. Er war menschlich. Er hat Dinge gefühlt. Aber er hat gelernt — und gelehrt — dass Wut ein Feuer ist. Wenn man es wachsen lässt, verbrennt es einen selbst.
Er hat einmal gesagt: Der Starke ist nicht derjenige, der andere niederwirft. Der Starke ist derjenige, der sich selbst beherrscht, wenn er wütend ist.
Nadia dachte daran, wie sie Sara morgen dasselbe antun wollte.
Ist das schwach?, fragte sie. Wenn man nicht zurückhaut?
Nein, sagte Baba. Das Gegenteil. Es ist viel leichter zurückzuschlagen. Alle können das. Aber die Kraft zu haben, ruhig zu bleiben — zu sagen, ich wähle etwas Besseres — das ist das Schwierigste und das Stärkste.
Nadia ließ das sacken.
Ich muss Sara nicht vergeben, wenn ich noch nicht bereit bin, oder?, fragte sie.
Nein, sagte Baba. Vergeben braucht Zeit. Aber du kannst entscheiden: Ich mache es nicht schlimmer. Das ist genug für heute.
Baba deckte Nadia zu.
Weißt du, was am Ende mit der Frau passiert ist, die Müll geworfen hat?, fragte er.
Was?, fragte Nadia.
Sie wurde eine der treuesten Muslimas. Weil die Güte des Propheten ihr Herz bewegt hat. Kein Argument, kein Streit — nur Güte.
Nadia schaute die Decke an. Sie dachte an Sara. Saras Gesicht, wenn sie wütend war. Aber auch Saras Gesicht, wenn sie zusammen lachten.
Vielleicht rede ich morgen mit ihr, sagte Nadia leise. Nicht um zu streiten. Nur um zu sagen, dass mich das wehgetan hat.
Das ist klug, sagte Baba. Das ist genau richtig.
Er stand auf.
Der Prophet sagte einmal: Verbreitet Güte unter euch. Das ist kein großes, schwieriges Ding — manchmal ist es nur ein Lächeln. Ein freundliches Wort. Eine ausgestreckte Hand.
Er knipste das Licht aus.
Gute Nacht, meine starke Nadia.
Gute Nacht, Baba.
Und du, kleines Kind — vielleicht gibt es morgen jemanden, dem du freundlich sein kannst. Auch wenn es gerade schwer ist. Genau dann, wenn es schwer ist — da liegt die wahre Stärke. Gute Nacht.
Mehr aus Religion

Sabr — Geduld ist Stärke

Die Nacht der Sterne

Maryam und das Wunder

Fatima lernt beten
