
Nuh und der große Regen
Als ein Gewitter draußen tobt hat Karim Angst. Seine Mama erzählt ihm die Geschichte von Nuh — einem mutigen Propheten, der Allah vertraute, als die Welt unterging.

Iman
Ich erzähle Geschichten aus dem Islam — ruhig, liebevoll und vollständig halal. Für kleine Ohren und neugierige Herzen.
Die Geschichte zum Lesen
Draußen donnerte es.
Karim lag in seinem Bett und zog die Decke über den Kopf. Das half ein bisschen. Aber das Donnern war so laut, dass es sogar durch die Decke kam — als würde jemand riesige Steine vom Himmel fallen lassen.
Blitz. Dann wieder Donner. Dann Regen — so stark, dass die Tropfen gegen das Fenster klatschten wie winzige Fäuste.
Karim mochte Gewitter nicht.
Seine Mama kam ins Zimmer. Sie hatte ein weiches Licht in der Hand — das kleine Nachtlämpchen, das er manchmal benutzte. Sie setzte es auf den Nachttisch und setzte sich neben ihn.
Das Gewitter macht dir Angst?
Karim nickte, die Decke noch am Kinn.
Seine Mama lächelte ihn an. Darf ich dir eine Geschichte erzählen? Eine echte Geschichte — über einen Mann, der einem Regen erlebt hat, der viel, viel größer war als das, was gerade draußen passiert.
Karim lugte unter der Decke hervor. Wer war das?
Ein Prophet, sagte Mama. Sein Name war Nuh. Und er war einer der mutigsten Menschen, die je gelebt haben.
Nuh, begann Mama, lebte vor sehr, sehr langer Zeit. So lange, dass wir uns kaum vorstellen können, wie die Welt damals aussah.
Es gab keine Autos. Keine Häuser aus Beton. Die Menschen lebten in kleinen Dörfern, in Zelten und einfachen Hütten. Die Natur war überall.
Aber die Menschen damals — viele von ihnen hatten Allah vergessen. Sie hatten Götzen aus Stein und Holz gebaut. Sie verehrten Dinge, die kein Herz hatten, keine Augen, keine Kraft. Sie beteten zu Steinen. Zu Figuren. Zu toten Dingen.
Und Nuh — Nuh sah das und sein Herz schmerzte. Denn er wusste: Das ist falsch. Nur Allah verdient Anbetung. Nur Allah ist der Schöpfer.
Allah sprach zu Nuh. Er gab ihm eine Aufgabe: Erzähle deinem Volk von mir. Ruf sie zurück. Erinnere sie daran, wer ich bin.
Und Nuh tat es. Er predigte. Er erklärte. Er bat. Er flehte. Jahre vergingen. Jahrzehnte. Manche sagen, er predigte neunhundert und fünfzig Jahre lang.
Karim staunte. So lange?
So lange, sagte Mama. Und weißt du, wie viele Menschen ihm glaubten?
Viele?, fragte Karim hoffnungsvoll.
Mama schüttelte den Kopf sanft. Nur sehr wenige. Vielleicht siebzig oder achtzig. Aus all diesen Jahren, all diesen Worten, all dieser Arbeit.
War Nuh dann traurig?
Sicher, sagte Mama. Aber er hörte nicht auf.
Dann sprach Allah wieder zu Nuh, sagte Mama. Und diesmal war die Botschaft anders.
Allah sagte: Baue ein Schiff. Ein großes Schiff. Nimm von jedem Tier ein Paar — ein Männchen und ein Weibchen. Und nimm die Menschen mit, die an mich glauben.
Karim richtete sich ein bisschen auf. Er baute ein Schiff?
Ein riesiges Schiff, sagte Mama. Mitten im Land. Weit weg vom Wasser. Und die anderen Menschen sahen ihn und lachten.
Nuh, riefen sie, du bist verrückt! Du baust ein Schiff — wo es kein Meer gibt! Was willst du damit?
Aber Nuh ließ sich nicht beirren. Er arbeitete. Tag für Tag. Er schlug Holz. Er hämmerte. Er baute.
Stell dir vor, wie das war, sagte Mama. Alle lachen über dich. Alle denken, du bist verrückt. Aber du weißt, was Allah dir gesagt hat. Und du vertraust ihm mehr als allen anderen Menschen zusammen.
Nuh vertraute, sagte Karim leise.
Genau. Das ist das Wichtigste in dieser Geschichte. Nuh vertraute Allah, auch wenn er nicht alles verstand. Auch wenn er nicht wusste, wann der Regen kommt. Auch wenn alle über ihn lachten. Er baute das Schiff. Weil Allah es gesagt hatte.
Draußen donnerte es wieder. Karim zuckte zusammen — aber diesmal hielt er die Decke nicht ganz so fest.
Und dann, sagte Mama, an einem Morgen — begann es zu regnen.
Aber nicht so wie heute Nacht. Nicht ein Gewitter, das nach ein paar Stunden aufhört. Es war ein Regen, der nicht aufhörte.
Das Wasser stieg. Es stieg aus dem Boden — denn Allah ließ Quellen aus der Erde brechen. Es fiel vom Himmel — in Strömen, so dicht, dass man kaum sehen konnte. Das Wasser kam von überall.
Nuh öffnete die Tore der Arche. Die Tiere kamen. Paarweise. Zwei Pferde. Zwei Löwen. Zwei Vögel. Zwei kleine Mäuse. Alle Tiere kamen friedlich, einer nach dem anderen. Als ob sie wussten, was zu tun war.
Und die Menschen, die geglaubt hatten, stiegen ein. Ihre Familien. Ihre Kinder.
Nuh stieg als letzter ein und schloss die Tür.
Das Wasser stieg weiter. Erst bis zu den Knien der Bäume. Dann bis zu den Dächern der Häuser. Dann über die Hügel. Dann über die Berge.
Karim stellte sich das vor. All das Wasser. Die ganze Erde.
Hatten sie Angst auf dem Schiff?, fragte er.
Sicher hatten einige Angst, sagte Mama. Es war eine unvorstellbare Situation. Aber Nuh war bei ihnen. Und durch Nuh — Allah. Sie wussten: Wir sind hier, weil Allah uns hierher geführt hat. Wir sind in seiner Hand.
Die Arche schwamm, sagte Mama. Auf dem riesigen Wasser. Überall nur Wasser. Kein Land zu sehen. Keine Hügel. Nichts außer Himmel und Wasser.
Nuh betete. Die Menschen beteten. Die Tiere ruhten sich aus. Die Arche trieb über das Wasser wie ein kleines Haus auf einem unendlichen See.
Es gibt eine Stelle im Quran, sagte Mama, wo Allah beschreibt, wie die Arche fuhr: Wie Berge sahen die Wellen aus.
Karim zog die Augenbrauen hoch. Wellen wie Berge?
Genauso, sagte Mama. Stell dir vor — Wellen so groß wie Berge. Und inmitten davon die kleine Arche. Aber die Arche sank nicht. Sie hielt. Weil Allah sie hielt.
Und dann, nach langer Zeit — hörte der Regen auf.
Das Wasser fiel langsam. Langsam. Langsam. Wie ein tiefer Atemzug, der sich entspannt.
Und dann — Erde. Trockene Erde. Ein Hügel, der aus dem Wasser ragte. Dann mehr Hügel. Dann Felder. Dann der blaue Himmel, klar und rein wie frisch gewaschen.
Nuh öffnete die Tür der Arche.
Die Tiere strömten heraus. In alle Richtungen. Die Vögel flogen auf. Die Tiere liefen über die feuchte Erde. Die Menschen traten hinaus und sahen — eine neue Welt. Gewaschen. Sauber. Frisch.
Und Nuh fiel auf die Knie und dankte Allah.
Alhamdulillah, flüsterte Karim.
Mama streichelte Karims Wange.
Weißt du, was ich an dieser Geschichte am schönsten finde?, sagte sie.
Karim schüttelte den Kopf.
Nuh hat nicht gewartet, bis er alles verstand. Er hat nicht gewartet, bis er sicher war. Er hat nicht gewartet, bis andere Leute ihm zustimmten. Er hat einfach vertraut — und angefangen zu bauen.
Karim dachte darüber nach.
Draußen donnerte es immer noch. Aber es klang jetzt anders. Nicht bedrohlich. Nur laut. Wie ein Riese, der schnarcht.
Mama, sagte Karim, ist das Gewitter draußen auch irgendwie von Allah?
Alles kommt von Allah, sagte Mama. Der Regen wäscht die Erde. Er gibt den Pflanzen zu trinken. Er füllt die Flüsse. Ein Gewitter ist laut und groß — aber dahinter steckt eine Ordnung, die wir nicht immer sehen können.
Wie Nuhs Regen, sagte Karim. Der war auch nicht nur schlimm.
Mama lächelte. Genau. Am Ende stand eine neue, reine Welt.
Sie zog die Decke höher.
Schlaf jetzt. Draußen regnet es — aber du bist hier drinnen. Warm. Sicher. Und Allah, der Nuh durch Wellen wie Berge geführt hat — der ist auch bei dir, in diesem kleinen Zimmer, bei einem kleinen Gewitter.
Karim schloss die Augen.
Das Donnern klang jetzt weit weg. Fast gemütlich.
Gute Nacht, Karim.
Gute Nacht, Mama.
Gute Nacht, kleines Kind. Wenn der Regen gegen dein Fenster klopft — weißt du jetzt: Allah hat Nuh durch Wellen wie Berge geführt. Dich führt er auch. Immer.
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