
Was bedeutet Bismillah?
Yara hat beobachtet, dass Mama vor allem Bismillah sagt — vorm Essen, form Fahren, vorm Einschlafen. Was bedeutet das eigentlich? Mama erklärt, wie man Allah mit allem, was man tut, mitnimmt.

Iman
Ich erzähle Geschichten aus dem Islam — ruhig, liebevoll und vollständig halal. Für kleine Ohren und neugierige Herzen.
Die Geschichte zum Lesen
Yara hatte etwas bemerkt.
Sie hatte schon ein paar Tage darauf geachtet — und jetzt war sie sicher.
Mama sagte immer Bismillah, bevor sie etwas tat.
Bismillah, bevor sie kochte. Bismillah, bevor sie das Auto startete. Bismillah, bevor sie eine Tasse Tee aufhob. Bismillah, bevor sie die Tür aufmachte.
Als Mama heute Abend das Licht ausmachen wollte, sagte sie auch leise Bismillah.
Mama, rief Yara aus dem Bett.
Ja?
Was bedeutet Bismillah eigentlich? Du sagst es immer. Für alles. Auch für das Licht.
Mama lachte leise und setzte sich auf den Bettrand.
Oh, gute Frage. Das erkläre ich dir gerne. Es ist nämlich gar nicht so kompliziert — aber wenn man es wirklich versteht, ist es wunderschön.
Bismillah, sagte Mama, kommt aus dem Arabischen. Es ist die Kurzform von Bismillahi ar-rahmani ar-rahim. Das bedeutet: Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Yara wiederholte es leise. Bismillah.
Gut, sagte Mama. Wenn wir Bismillah sagen, bevor wir etwas tun — was machen wir damit?
Yara dachte nach. Du nennst Allahs Namen?
Genau, sagte Mama. Und das Besondere ist: Wir sagen damit, dass wir dieses Ding nicht alleine machen. Wir fangen es an mit Allah. Wir nehmen ihn mit.
Wie wenn man jemanden an die Hand nimmt?, fragte Yara.
Genau so. Stell dir vor, du gehst in ein dunkles Zimmer. Alleine ist es ein bisschen unheimlich. Aber wenn jemand mitkommt, den du liebst — dann ist es gut, oder?
Yara nickte.
Bismillah ist wie das Anfassen von Allahs Hand. Nicht mit der echten Hand — aber mit dem Herzen. Man sagt: Ich mache das jetzt, und ich möchte, dass Allah dabei ist.
Und was bedeutet al-rahman al-rahim?, fragte Yara. Diese zwei Wörter, die du auch gesagt hast.
Mama überlegte, wie sie es erklären sollte.
Du weißt, dass Allah gütig ist?
Ja.
Diese beiden Wörter beschreiben seine Güte genauer, sagte Mama. Al-Rahman bedeutet: Er ist gütig zu allen — zu den Menschen, zu den Tieren, zu allem, was existiert. Er lässt die Sonne scheinen für alle. Er lässt es regnen für alle. Egal ob jemand betet oder nicht.
Und al-rahim?, fragte Yara.
Al-Rahim ist noch besonderer, sagte Mama. Das bedeutet: Er hat eine ganz tiefe, bleibende Güte für die Menschen, die ihn lieben und ihm folgen. Wie eine Mama, die ihr Kind liebt — aber noch viel mehr.
Yara stellte sich das vor.
Also wenn wir Bismillah sagen, sagen wir: Im Namen von jemandem, der uns liebt?
Genau, sagte Mama. Wir erinnern uns daran, mit wem wir durch die Welt gehen. Nicht alleine. Mit Allah.
Aber Mama, sagte Yara — warum sagst du es auch für ganz kleine Sachen? Das Licht ausmachen? Das ist doch nicht wichtig.
Mama lächelte.
Der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, hat uns gelehrt, bei jeder Sache Bismillah zu sagen. Auch bei kleinen.
Warum?
Weil kleine Sachen wichtig werden, wenn man Allah dabei hat. Wenn ich das Licht ausmache und Bismillah sage — dann ist das keine automatische Bewegung. Dann bin ich einen Moment bei mir. Ich erinnere mich: Allah sieht mich. Allah ist mit mir. Auch in diesem kleinen Moment.
Yara fand das seltsam — und gleichzeitig irgendwie schön.
Also macht Bismillah aus kleinen Momenten... richtige Momente?
So kann man es sagen, sagte Mama. Es macht uns wach. Achtsam. Wie wenn du ein Buch aufmachst und wirklich liest — statt die Seiten nur umzublättern.
Und wenn man vergisst Bismillah zu sagen?
Der Prophet hat das auch bedacht, sagte Mama. Er hat gesagt: Wenn du am Anfang vergessen hast zu sagen: Sag es dann, wenn du es merkst — auch mittendrin. Es ist nie zu spät.
Darf ich es ausprobieren?, fragte Yara.
Natürlich, sagte Mama.
Yara dachte kurz nach. Dann nahm sie ihr Glas Wasser vom Nachttisch — und sagte: Bismillah.
Sie trank einen Schluck.
Mama schaute sie an.
Wie hat sich das angefühlt?, fragte sie.
Andres, sagte Yara langsam. Irgendwie... mehr.
Mama nickte. Genau. Wenn wir mit dem Herzen dabei sind, schmeckt das Wasser anders. Nicht weil das Wasser anders ist. Sondern weil wir anders dabei sind.
Yara legte das Glas zurück.
Und wenn ich morgen früh aufwache, kann ich auch Bismillah sagen?
Du kannst sogar noch früher anfangen, sagte Mama. Es gibt ein Dua, das man beim Aufwachen sagt. Aber Bismillah ist immer richtig. Aufwachen — Bismillah. Aufstehen — Bismillah. Erste Schritte machen — Bismillah.
Es ist wie ein Schalter?
Mama dachte nach. Ja. Ein Schalter, der das Licht anmacht — nicht im Zimmer, sondern in dir.
Mama stand auf.
Ich mache jetzt das Licht aus, sagte sie.
Yara schaute ihr zu.
Mama legte den Finger an den Schalter. Bismillah, sagte sie — und das Licht erlosch.
Im Dunkeln war es einen Moment ganz still.
Dann sagte Yara: Bismillah.
Warum das jetzt?, fragte Mama.
Weil ich einschlafe, sagte Yara. Und ich möchte, dass Allah dabei ist.
Mama war einen Moment lang still. Dann setzte sie sich nochmal kurz aufs Bett und drückte Yara fest.
Das ist das Schönste, was du heute gesagt hast, flüsterte sie.
Sie stand auf.
Es gibt auch ein Dua fürs Einschlafen, sagte sie leise. Bismillahi amoutu wa ahya. Im Namen Allahs sterbe und lebe ich. Das sagt: Auch im Schlaf bin ich in Allahs Hände.
Yara ließ die Augen zufallen.
Bismillah, murmelte sie nochmal.
Bismillah, sagte Mama zurück.
Und du, kleines Kind — wenn du jetzt schläfst: Nimm Allah mit. In den Schlaf. In die Träume. In den Morgen. Er ist immer da — du musst ihn nur einladen. Bismillah. Gute Nacht.
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