Alle Geschichten
Der gestiefelte Kater, neu erzählt
🧚 MärchenKostenlos

Der gestiefelte Kater, neu erzählt

7:02 Min4-8

Mortimer ist kein gewöhnlicher Kater — er denkt schneller als alle anderen und trägt immer einen Plan im Hut. Aber heute Nacht zeigt er, was wirklich zählt.

Teilen:
Mortimer

Mortimer

Mit einem Augenzwinkern und einem Hauch Magie verwandle ich klassische Märchen in unvergessliche Erlebnisse.

Profil →

Die Geschichte zum Lesen

Es war einmal ein Kater namens Moritz.

Moritz war kein gewöhnlicher Kater. Er trug Stiefel — echte, glänzende, schwarze Stiefel, die er sich jeden Morgen selbst putzte, mit einer kleinen Bürste und einem weichen Lappen. Er trug einen Hut mit einer grünen Feder darin, die er gefunden hatte, als sie aus dem Hut eines vorbeiziehenden Händlers gefallen war. Und er sprach. Sehr gut sogar. Vollständige Sätze, mit Kommas und allem.

Die meisten Leute fanden das seltsam.

Moritz fand das vollkommen normal.

Sein Besitzer war ein junger Mann namens Karl. Karl war sehr nett — fast zu nett für diese Welt, wo man manchmal ein bisschen Ellbogen braucht. Er war auch sehr schlecht darin, Pläne zu machen. Er saß meistens am Fenster, schaute in den Himmel und seufzte. Lange, tiefe, ausholende Seufzer, als wollte er die ganze Welt mit einem Atemzug ausdrücken.

Moritz mochte Karl sehr. Aber er mochte das Seufzen nicht.

Eines Morgens — die Sonne schien gerade so, dass der Staub auf dem Boden glänzte — sagte Moritz: Karl. Hör auf zu seufzen.

Karl drehte sich um und schaute den Kater an. Das tat er immer, wenn Moritz sprach. Als wäre er jedes Mal ein bisschen überrascht, obwohl Moritz seit Jahren sprach.

Ich seufze, weil ich kein Geld habe und keine Aussichten und nur einen Kater, sagte Karl.

Nur einen Kater!, rief Moritz empört. Er richtete sich auf, streckte die Stiefel aus, klimperte mit der Hutfeder. Ich bin kein gewöhnlicher Kater, Karl. Ich bin eine Ressource. Und ich habe einen Plan.

Karl schaute ihn an. Du hast einen Plan?

Ich habe immer einen Plan, sagte Moritz. Das ist mein Beruf.

Moritz lief in die Stadt. Er lief mit dem Schwung und der Entschlossenheit von jemandem, der genau weiß, wohin er geht und warum — auch wenn Karl das noch nicht wusste.

Der erste Halt: der Markt.

Auf dem Markt kaufte Moritz, mit Karls letztem Geld, einen großen Sack Möhren und einen noch größeren Sack Hafer. Karl wäre entsetzt gewesen. Moritz dachte nicht daran, es ihm zu erklären.

Dann lief Moritz in den Wald, direkt zu den Feldern, die dem König gehörten.

Er legte die Möhren aus. Er streute den Hafer. Er wartete.

Nach einer Weile kamen Hasen. Viele Hasen — große, fette, glückliche Hasen, die auf königlichen Feldern lebten und kaum Angst vor Menschen hatten.

Moritz fing drei von ihnen. Sehr höflich, sehr sanft, indem er eine Falle aus seinem Hut zog, die so kompliziert aussah, dass kein normaler Kater sie hätte bauen können. Aber Moritz war kein normaler Kater.

Dann lief er zum Schloss des Königs.

Er klopfte an das Tor — tick tick tick — mit seiner Stiefelspitze.

Der Wächter öffnete und starrte auf den Kater.

Kein Einlass für Tiere, sagte der Wächter.

Ich bin kein Tier, sagte Moritz. Ich bin Botschafter des Grafen von Karakasdorf, und ich bringe dem König ein Geschenk — drei seiner eigenen Hasen, die ich auf seinen eigenen Feldern gefangen habe, als Beweis der Ergebenheit meines Herrn.

Es gab keinen Grafen von Karakasdorf. Das hatte Moritz selbst erfunden, auf dem Weg hierher, zwischen dem dritten und dem vierten Schritt.

Aber er sagte es mit einer solchen Überzeugung, dass der Wächter die Tür aufmachte.

Moritz verbeugte sich — sehr tief, sehr elegant, den Hut in der Pfote — und trat ein.

Im Thronsaal wartete der König.

Er war ein großer Mann mit einem langen Bart und einer Krone, die etwas schief saß — er mochte es, wenn sie schief saß, weil es bedeutete, dass er entspannt war. Der König war, im Großen und Ganzen, ein vernünftiger Mann. Aber er wurde alt, und das Königreich war groß, und manchmal wünschte er sich, jemanden zu haben, der ihm half, klug zu denken.

Wer seid Ihr?, fragte der König.

Ich bin Moritz, sagte der Kater. Botschafter, Berater und erster Minister meines Herrn, des Grafen Karl von Karakasdorf, eines Mannes von außerordentlichem Charakter und bescheidenen Mitteln, der Eurer Bekanntschaft würdig wäre.

Der König schaute ihn lange an.

Ein Kater in Stiefeln als Botschafter.

Moritz nickte.

Der König tauschte einen Blick mit seinem echten Minister, der neben ihm stand. Der echte Minister zuckte mit den Schultern. Dann lachte der König — ein echtes Lachen, das von tief unten kam. Eines, das er selbst vergessen hatte, wie es sich anfühlte.

In Ordnung, sagte der König. Setzt Euch. Esst mit uns.

Und so saß Moritz beim Abendessen mit dem König. Er aß sehr elegant — kleiner Bissen für kleiner Bissen, Serviette ordentlich drapiert, die Stiefel unter dem Stuhl gekreuzt. Er erzählte dem König Geschichten von Karls Güte und Klugheit und Bescheidenheit, die alle ein kleines bisschen übertrieben waren, aber nicht so sehr, dass ein verständiger Mann sie nicht glauben konnte.

Der König hörte zu. Und je mehr er hörte, desto interessierter wurde er an diesem mysteriösen Grafen von Karakasdorf, der so bescheiden war, dass er einen Kater schickte statt sich selbst.

Vielleicht, sagte der König, sollte ich Euren Herrn kennenlernen.

Moritz lief zurück zu Karl.

Er fand ihn noch am Fenster. Noch beim Seufzen.

Karl, sagte Moritz, der König möchte dich kennenlernen.

Karl hörte auf zu seufzen. Welchen König?

Unseren König. Und zwar übermorgen zum Mittagessen. Du wirst der Graf von Karakasdorf sein. Ich werde es dir erklären. Aber zuerst brauchst du einen neuen Anzug.

Aber ich habe kein Geld—

Ich habe dafür gesorgt, sagte Moritz. Er zog einen kleinen Beutel hervor — Goldmünzen, ein Vorschuss, den der König geschickt hatte, als Zeichen des guten Willens.

Karl starrte ihn an.

Wie hast du das—?

Ich habe einen Plan gehabt, sagte Moritz schlicht.

Am Ende der Geschichte — denn alle guten Geschichten brauchen ein Ende — war Karl kein armer junger Mann mehr. Er hatte Freunde gewonnen. Einen König, der seine ehrliche Art mochte, sobald er sie erst kennengelernt hatte. Und eine Prinzessin, die sehr gut Schach spielte, was Karl sehr beeindruckte.

Aber am wichtigsten: Er hatte Moritz.

Moritz saß jetzt neben dem Kamin — seine Stiefel ausgezogen, denn Kater schlafen lieber barfuß — und blinzelte zufrieden in die Flammen.

Du hast alles geplant, oder?, sagte Karl.

Natürlich, sagte Moritz. Ich plane immer alles.

Karl schaute ihn an. Und warum?

Moritz öffnete ein Auge. Weil ich dein Kater bin, sagte er. Das ist doch selbstverständlich. Er schloss das Auge wieder. Und schnurrte.

Und Karl lehnte sich zurück, trank seinen Tee und hörte auf zu seufzen — ein für alle Mal.

Gute Nacht.

· 7:02 Min Min. Audio

Mehr aus Märchen